Archive for the 'Liedtexte' Category

Knietief im Sommer

Thursday, July 8th, 2010

Hut über Kopf über sonnenverglasten Augen
Der Asphalt flimmert grell in mich rein, in mir drin
Das Geröll ist zergangen, es rinnt mir durch die Finger
Was zermeißeln, was zerkloppen, wenn es klebt?

Lieblingslieder klingen wie Regen auf Blech
Erfrischend und hässlich, versöhnlich monoton
Ich stecke knietief im Sommer, ich hänge in ihm fest
Die Puddingluft pfeift zäh in meinen Lungen

Unter´m Teppich halt ich´s aus, unter´m Teppich halt ich´s aus
Der Morgen kratzt im Hals, Kaffee klebt mir auf der Haut
Freund Kälte bietet sich nur an, Feind Hitze zwingt sich auf
Und das puterrote Kind am Horizont ertrinkt

Rühr mich an und erschrick, was dir dann entgegenschlägt
Dein Fingernagel kratzt die ganze - ach so gelbe - Welt
Streu mir Zucker auf die Lider, dann warte still in der Kulisse
Dein nächster Auftritt folgt auf den Donner und den Regen

Stopf dem blond gelockten Mädel mit dem viel zu kurzen Kleid
Ihr Gelächter bis zum Anschlag ins Gedärm


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Wednesday, April 14th, 2010

Ein neuer kranker Morgen grinst falsch durch die Scheibe
Mit Kaffee den Kopf auf Halbmast hochgezogen
Auf dem Bildschirm flackert ekelhaftes, unwürdiges Leben
Acht Mal lieber das hier, als so ein fieses Schwein

Mit heißem Stift die Kundennummer auf die Brust geschrieben
Ein echter, ein echter halber Mensch
Und einem schießt ganz plötzlich die Panik in die Glieder
Reißt in wildem Rasen alle Schränke auf

Auf der Suche nach dem Schlupfloch
Nach einem Weg hier raus
Zwei Finger breit, ein bisschen Tageslicht
Gewöhn dich an die Finsternis für dich gibt´s so was nicht

Sie haben vor der Tür eine ganze Welt gebaut
Mit allem, mit allem, was man braucht
Was zu Trinken gegen die Kälte, was zu Essen gegen die Einsamkeit
Für den, dem das nicht langt: ein Geldspielautomat

Und dahinter räkeln sich die Flure des Grauens
Das Neonlicht zerkratzt jedes Gesicht
Und einer schlägt den wirren Kopf gegen alle Wände
Sinkt blind auf die Knie und streichelt Waschbeton

Auf der Suche nach dem Schlupfloch
Nach einem Weg hier raus
Zwei Finger breit, ein bisschen Tageslicht
Gewöhn dich an die Finsternis für dich gibt´s so was nicht

Sag mir einen Grund, was daran gut ist
Deine Hand drückt auf mein Genick
Wenn´s nur irgendetwas gäb, damit das aufhört
Bastelt Bomben für das da vor der Tür
…das da in der Glotze

Zu wahr um schön zu sein

Thursday, February 4th, 2010

Wenn die Hasen am Morgen gedankenverloren
Den Tau beschnuppern
Steigt dort hinten hinter dem Baum
Ein Wort aus dem Morast
Ein leises Flüstern, ein Fanal
Legt sich über die Stadt und weht
Durch ihre klapprigen Rippen
Das es auch niemand verpasst

Es geht ein Zucken durch den Mund in den Kopf in den Bauch
Es tönt nach Verrat und nach Sehnsucht tönt es auch

Zu wahr um schön zu sein
Zu wahr um schön zu sein

Wie Asseln irrlichtern zwei tiefblaue Augen
Und schleichen nach ziellosem Kreisen endlich
Um etwas herum
Das sie nicht einmal sehen
Das sind kostbare Tage am blühenden endlosen Meer
Ein Widerhall bleibt im Glanz
Der seichten Dünung
Als dauerndes Plätschern bestehen

Eine wildgewordene Hand fährt durchs obdachlose Haar
Es könnte schön sein, doch es ist, es ist… zu wahr

Zu wahr um schön zu sein
Zu wahr um schön zu sein

Ein Häuschen am See

Sunday, November 22nd, 2009

Bin jetzt ein paar Jahre dabei
in dem ausweglosen Spiel
Bin schon heut manchmal satt von den Dingen
Die mich beglücken, erfreuen
betrüben und schmerzen
Und mir diese Lieder singen

Dann denk ich so bei mir
Jetzt ein Häuschen am See
und den Rest lass ich einfach geschehen
Doch wenn ich dann abends
hier vor´m Spiegel steh
Wen kann ich, wen will ich dann sehen?

Ich bin so randvoll
von den tausenden Leben
Die um mich herum sich bewegen
Seh die Falschen aufsteigen
die Richtigen fallen
Und mich mich ins Bettchen legen

Nicht selten, auch heute
winde ich mich im Kissen
Und schwitze und finde den Schlaf nicht
Wieder ein Tag nur gedacht
und nichts and´res gemacht
Nehm mein Textbuch und mach noch mal Licht

Jeder Tag birgt die Chance
Sich zu wandeln, zu werden
Erfahrung zu füllen mit Sinn
Also wirf mir nicht vor
ich kling wie ein Greis
Ich fühl mich so alt wie ich bin

Ich bliebe heute so gerne
nur hinter den Augen
Weil da ist es warm und vertraut
Ich sitze und flitsche
Steine auf dem See
Hab mir hier mein Häuschen gebaut

Doch ein Meer leerer Flaschen,
der Hunger, der Suff
Vertreiben mich aus dem Exil
Seh die traurigen Blicke
der Frau an der Kasse
Jemand schreit sie an, ich bin wieder im Spiel

Dann fühl´ ich mich randvoll
von den tausenden Leben
Die um mich herum sich bewegen
Hör den Mann über mir
seine Liebste verdreschen
Und seh mich mich ins Bettchen legen

Nicht selten, auch heute
wälz ich mich im Kissen
Und schwitze und finde den Schlaf nicht
Hab zu wenig gelacht
und stattdessen gedacht
Ich setz mich und mache mir Licht

Jedes Jahr ist ne Chance
Sich zu wandeln, zu werden
Erfahrung zu füllen mit Sinn
Also wirf mir nicht vor
Ich kling wie ein Greis
Ich fühl mich so alt wie ich bin

Man soll sie feiern wie sie fallen

Monday, October 19th, 2009

Den Wäscheberg erklommen, in den Adern tobt das Blut
Im Bauch ein Funken Höhenangst, doch im Kopf rast Übermut
Ich seh die bunten Blätter kichernd auf die graue Straße knallen
Reiß das trübe Fenster auf, man soll sie feiern wie sie fallen

Ich atme kalte, klare Luft, in den Hals bis zu den Zehen
Nutz den hellen Moment ein altes Hemd auf links zu drehen
Ich hör die letzten müden Tropfen in der nassen Nacht verhallen
Steh noch immer da am Fenster, man soll sie feiern wie sie fallen
Man soll sie feiern wie sie fallen

An diese Nacht hab ich gedacht an so manchem üblen Tag

Ne Tüte Fritten und ein Bier und rauf zum Mond

Hab den Sommer überlebt, ich glaub, ich kann mal wieder raus

Endlich Luft, die das Einatmen lohnt

Der böse Nachbar mit dem Besen kämpft sich einsam durch den Tag
Doch alles liegt noch immer da so, wie´s schon vorher da so lag
Dass sich für ein gefegtes Blatt fünf neue auf dem Gehsteig ballen
Er flucht und ich lache, man soll sie feiern wie sie fallen

Meine Hände zittern fröhlich mit dem windzerzausten Haar
Sturmtief auf dem Wäscheberg, ich bleibe besser da
Ein Tropfen landet auf der Stirn, es ist der frischeste von allen
Den rahme ich mir ein, man soll sie feiern wie sie fallen
Man soll sie feiern wie sie fallen


Come in and burnout

Tuesday, September 22nd, 2009

Das, was ich von dir gekauft hab
Ist der Teil deiner Arme
Mit dem man Fäden durch Knopflöcher zieht

Das, was ich an dir mag
Ist nur der Teil unter dem Nabel
Der rot und saftig unaufhörlich nach mir ruft

Was stört ist nur, dass du kein Schnitzel bist
Come in and burnout

Das, was ich von dir geliehen hab
Ist der Teil deines Kopfes
Der Zahlen, Zahlen, Zahlen in Fakten verkocht

Das, was du für mich bist
Ist nur der Teil deines Körpers
Der sich beim Atmen unaufhörlich hebt und senkt

Was stört ist nur, dass du kein Kotelett bist
Come in and burnout

Was geht nur mit mir vor sich?
Come in and burnout
Alles ist plötzlich so leer
Jeden Tag Regen
Come in and burnout
“Herr Doktor…
Ich hab Angst!”

Das, was ich von dir erworben hab
Ist der Teil deines Wesens
Der nickt und lächelt, wenn ich sage, wie es ist

Das, was ich an dir schätze
Ist der Teil deiner Welt
Den ich gestalten kann, so wie es mir gefällt

Was stört ist nur, dass du kein Gulasch bist
Come in and burnout


Anekdoten aus dem taubstummen Leben

Tuesday, September 22nd, 2009

Ich sitze da, wie ich da sitze, wenn ich da so sitze
Schiebe Nichtigkeiten hin und her und hin und her und hin
Um mich wach zu halten kämpfe ich mit der Müdigkeit
Und es gelingt mir halbwegs ungefähr

Ich bin schon ganz doll im Kopf, weil der Tag so schnell verfliegt
Besser sitzen bleiben jetzt, als hinzufallen und mir was tun
Hin und wieder kommt das Telefon jäh bei mir vorbei
Doch es klingelt unerreichbar kurz
Ich gehe trotzdem ran und erzähle stundenlang
Anekdoten aus dem taubstummen Leben

Schon wieder Nacht, das gibt´s doch nicht, ist das alles, was du kannst?
Gibt´s nicht irgendwo irgendetwas, irgendetwas Neues?
Irgendetwas zwischen hell und dunkel, scheißen, trinken, fressen?
Irgendetwas zwischen Haustür und Bett?

Nicht, dass es nicht ginge, hier zu sitzen und zu bleiben
aber man wird doch mal fragen dürfen, oder nicht?
Und ich schiebe Nichtigkeiten hin und her und her und hin
Und ich kämpfe mit der Müdigkeit um nicht einzuschlafen
Wie mein Arm schon so lange eingeschlafen ist
Ich kratze mich und gähne und setze mich noch mal anders hin
Aber dann ist´s für heute auch genug

Vom Tellerwäscher

Thursday, June 4th, 2009

Was Geld bringt ist scheiße
Was gut ist, geht Pleite
Wer, zum Teufel, braucht heut noch einen Schmied?
Jeder ist seines Glückes Dieb

Verdammt, wie lang schon gibt es Spülmaschinen?
Kein dreckiges Geschirr ist übrig geblieben
Vom Tellerwäscher in den Vorruhestand
Der Millionär ist nur bei RTL bekannt

Wer Arbeit hat, versinkt darin
Wer keine hat, ertrinkt ohnehin
Was sind wir nur für Idioten, hat das einer gewollt?
Das Guido-Mobil hat uns überrollt

Wenn du noch ein Mal Asi sagst, dann fliegen hier die Fetzen
Ein Wort, um sich mit nichts mehr auseinanderzusetzen
Asi stellt keine Fragen, Asi separiert
Können über Asi lachen, weil Asi eh nix kapiert

Das kommt, wenn man Kultur wie ein paar Schuhe verkauft
Da braucht ihr euch nicht zu wundern, wenn ihr bald barfuß lauft
Sozialer Frieden - das war´s! Preisfrage: Was dann?
Ob Rentner in der U-Bahn oder das Auto von Kai Diekmann

Es wird weiter grassieren, weiter eskalieren
Ich werd mit Tränen in den Augen daneben stehen und applaudieren
Jeder Schlag tut mir weh, doch ich weiß ihr trefft richtig
Mein bornierter Pazifismus ist dabei wirklich nicht wichtig

Der Pfeffersack, der Pfeffersack

Wednesday, May 20th, 2009

Der Pfeffersack, der Pfeffersack folgt nur seiner Natur

Ein Arschloch ist kein Arschloch

In einer Zeit, die unaufhörlich

Gänse produziert, ja davon lebt

Dass der Fuchs genug zu fressen hat

Dass die Mäuse vor den Katzen zucken

Da hat der Pfeffersack nur seine

Ökologische Nische gefunden
 

Scheindebattenscheiße, Pseudomoral

Wie sie auch heißen, woher sie auch kommen

Dass sie immer lauter bellen

Während ganz wo anders zugebissen wird

Jeder weiß, es geht um nichts

Und sie geben sich nicht mal Mühe

Wen juckt´s denn, ob das Gold ist

Oder doch noch immer Scheiße?

Sozial ist – was Arbeit schafft, sozial ist – was Arbeit schafft

Gott, wie tief hat´s uns getrieben

Dieser dümmste aller Sprüche teert

Jeden Trampelpfad zu einer Autobahn

Wir backen ein Naturgesetz, effizient und ökonomisch

Wenn es nur der Wirtschaft nutzt, ist´s legitim

Und dass sie frei macht, wenn man sie erst hat, dass sie frei macht, wenn man sie erst hat

So haben schon ganz andere uns die Werte umgekehrt

Fuchs du hast die Gans gestohlen

Gib sie wieder her, gib sie wieder her

Sonst kommt dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr

Sonst kommt dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr

Vom hohen Ross

Saturday, March 7th, 2009


Du hast den Arsch voll Talent

Das dir abzusprechen, ist Schwachsinn

Es ging immer steil bergauf

Im Laufschritt immer rauf

Und jetzt wälz ich mich bis drei

Auf den Scherben eurer Zweifel

Die ihr habt und doch nicht aussprecht:

Bin ich nur außer Form oder zu schlecht?

 

Vom hohen Ross der Jugend abgeworfen

Stehe ich je wieder auf,

Um euch zu zeigen was ich kann?

Ich will mit den Großen spielen

Ich weiß doch, wie es geht

Du kannst nicht glauben, was du siehst

Dieser Pass über drei Meter

So was kann man nicht verlernen

Und schon ist es passiert

Das ist nur in deinem Kopf

Das ist nur in meinem Kopf

Nicht mehr lang, bis ihr es aussprecht:

Er hatte zwar Talent, doch für das hier war er einfach zu schlecht

Vom hohen Ross der Jugend abgeworfen

Stehe ich je wieder auf,

Um euch zu zeigen, was ich kann?

Ich will mit den Guten spielen

Ich weiß doch, wie es geht

Wie kann ich noch immer hier sitzen und warten

Obwohl es doch gar keinen Sinn macht zu warten

Es bestätigt doch nur das Wissen um das

Aus dass es sich niemals zu warten gelohnt hat