Die Sonne hängt finster und warm an einer Wolke. Sie hat sich da aufgehängt. Jetzt baumelt sie hin und her und stinkt – schon seit Tagen. Diese öde Luft kratzt in meinem Rachen. In meinem Mund schmeckt es faul und bitter. Ja, das sind bittere Tage.
Die Bäume sind noch ausgezehrt, noch nackt. Die Wolken hängen tief und drückend und doch ist es hell. Und diese falsche Wärme, dieser lächerliche Wind. Nichts stimmt, nichts passt zusammen.
Die Menschen lachen nicht, die quälende Sonne zieht die Mundwinkel herab. Die Menschen sprechen nicht. Sie haben nichts zu sagen.
Neben der roten Ampel ein Stoppschild. Die Fenster leer, mit Gardinen verhangen oder zugemauert. Ein Junge schlurft lustlos durch die Straßen und lutscht ein Eis. Es schmeckt ihm nicht.
Dieser schräge Tag, er klingt so kreischend in meinem Ohren. Meine Augen wollen nichts mehr sehen, mein Bauch kennt deine Hand nicht mehr. Er hat sie vergessen. Übelkeit, Kopfschmerz, warmer, stinkender Schweiß vereint Stoffe und Körper.
Ich wünsche mir Hagel und Sturm, eine kalte Nacht, peitschend in mein Gesicht. Oh, wie es flackert vor meinen Augen! Es ist so hässlich, so grell und falsch.
Die Bäume lassen sich fallen in den kraftlosen Fluss. Jetzt liegen sie da und nichts tut noch weh. Sie müssen keinem mehr gefallen, für sie ist die Sonne tot.
Und diese fahrigen Wolken bedrängen die hellgrünen Wiesen, wie sie in meinen Augen stechen. Dienst kranken Tieren als Futter, nichts ist voll und saftig an dir, nichts nahrhaft. Du bist ausgedörrt, ausgetrocknet, wie ein Sterbender.
Nur hier ist es schön, in der Dunkelheit. Will nichts mehr sehen, nichts mehr schmecken, nichts mehr spüren. Das ist nicht der Frühling, das ist nicht die Zeit, die leben bringt, da ist kein frischer Geruch von Sträuchern und Blumen, geruchlos bist du - und kein Willkommensgruß der Vögel. Was hat euch verstummen lassen?
Meine Stirn verdüstert, verrunzelt sich, meine Augen noch trüber. Meine Nerven wie Spinnweb – bei der kleinsten Berührung zerrissen. Und dieses dreckige Wasser. Du schöner Fluss wirkst flach und krank, verunreinigt voller Unrat. Du bist braun, in der Sonne fast gelb. Giftig, abweisend und lau.
Diese Brücke, sie hat schon so vieles gesehen. So viele Tage wie diesen fraßen sich in deine steinernen Füße. Sie ist heute egal, unbefahren, unbegehbar, gesperrt. Wofür also diese Tage ertragen, wofür sie überleben?
Wenn sie töten wollen, dann lass sie doch, leg dich zu den Bäumen, lass dich einfach fallen. Die Sonne zieht dich mit all ihrer Kraft nach unten, wehr dich doch nicht, es wird nicht wehtun, eine Erlösung, wenn du fällst in dieses wabernde Brackwasser.
Die Berge, wer hat sie da hingesetzt? Die grünen Fichten sehen so albern aus auf deinem Rücken. Man müsste euch auslachen. Wer hat dir das angetan? Und vor allem wieso? Wie sie dich bewuchern, wie ein Krebsgeschwür, unaufhaltsam breiten sie dich aus, bedecken deine krustige Haut…
Gleich muss es doch kommen, das Gewitter, das sich alle Elemente wieder vereinen lässt. Nicht länger alle für sich, Feinde, so auch mir Feind.
Diese Welt – nichts wofür es sich zu kämpfen lohnte, was es zu retten wert wäre. Wenn du so aussiehst, dann mag ich dir gerne zusehen, wie du vor die Hunde gehst. Dann ist es mir ein Fest und ich helfe gerne mit, nach Herzenslust.