Archive for the 'Lyrik' Category

Für Cahit

Tuesday, February 24th, 2009

Er weint nicht mit den Augen
Nur durch die Flächen seiner Hände
Erzähle jedem
Es sei Blut

Er hält seine Tränen
Seine Tränen in den Fäusten
Balle sie fester, balle sie fester
Darfst sie nicht verlier´n
Darfst sie nicht verlier´n

Vielleicht wirst du sie noch brauchen
In diesen wirren, heißen Tagen
Schließ die Augen, pssst, sag nichts
Zeig die Hände, wenn sie fragen

Da vor ihm liegt
Seine Zunge auf der Straße
Cahit, pass auf!
Bitte fall nicht hin

Und schon liegt er da mit geschundenen Knien
Zwischen all den fremden Augen
Balle sie fester, balle sie fester
Darfst sie nicht verlier´n
Darfst sie nicht verlier´n

Vielleicht wirst du sie noch brauchen
An diesen viel zu wirren Tagen
Schließ die Augen, pssst sag nichts
Zeig die Hände, wenn sie fragen

Sie werden fragen
Und du bleibst einfach stumm
Du wirst sie brauchen
Doch es wird zu wenig sein
Zu wenig sein für sie
Für ihr Fragen
Viel zu wenig Tränen

Hier die schönste Spam-Mail der Welt

Monday, February 9th, 2009
  1. Name: www.detektivderdetektei.de | E-Mail: detektiv@detektivderdetektei.de | URI: http://www.detektivderdetektei.de/detektei-stuttgart.html | IP: 85.13.136.189 | Datum: November 25, 2008

    Hi there I m glad to your post “Konzertabsage” so well that I like
    to ask you whether I should translate into German and linking back.
    Please answer. Greetings Detektiv

Es tagt im KZ

Wednesday, August 29th, 2007

Ich sitze hier reglos und schaue ihm zu
Wie er ganz langsam verfault
Wie die Maden ihn nehmen, sich laben an ihm
Sich ergötzen an diesem Schmaus

Ich sitze hier fühllos und weine ganz still
Ich kann sie fast schmatzen hören
Es ist rührend sie so friedlich fressen zu sehen
Wie Freude und Leid sich umarmen

Ich sitze hier schlaflos, ringsum ist es leis´
Kaum hörbar ein Wimmern und Zucken
Wenn ich sie ihre Bäuche sich voll schlagen seh´
So wie die Kleene am Weihnachtsabend

Ich sitze hier leblos, es tagt im KZ
Dort hinten flucht einer und Stimmen, die rufen
Die Sonne strahlt feucht durch das Loch in der Wand
Nichts kann die Nimmersatten stören

Ich versuch ihn zu heben, ein Zittern, ein Ziehen
Fett trotten die Nachtgesellen davon
Ich verschwimme vollkommen vor glasigen Augen
Und am Ende schlafe ich ein

Das, was mich wegträgt, ist
Heut wird der Tag sein
Denn das, was der Wind macht, ist
Nur das bisschen Staub

Das, was mich wegträgt, ist
Heut wird der Tag sein
Denn das, was der Wind macht, ist
Nur das bisschen Staub

Das dann meine Knochen bedeckt

Am Ende des Tunnels

Wednesday, May 10th, 2006

Du und ich und rechts und links
Und vorne, hinten - du und ich
Nicht mehr, wohl eher weniger
Als du und ich, als du und ich

Guten Morgen! Guten Tag!
Ne geile Nacht - ein schlechtes Leben
Ein kleiner Spalt in jeder Zunge
In jeder Hand und dir und mir

Ein Schiff im Sturm, ein Fels aus Sand
Deine Hand ist keine Hand
Ein Fels aus Sturm, ein Schiff aus Sand
Meine Hand ist deine Hand
Und keine Hand ist keine Hand
bleibt keine Hand

UND WIR BLEIBEN AUF DER STRECKE BIS ZUM MORGENGRAUEN
BIS DIE MÄNNER KOMMEN UM UNS WEGZUSCHAFFEN
ICH KOMME AUS DEM LICHT UND GING IN DEN TUNNEL
UND HINTER DEM TUNNEL IST NICHTS

Was schön ist bleibt wahr und das hier ist schlecht
Und das hier ist wahr und was schön ist bleibt schön
Und hat recht
Mit dem Kopf auf den Gleisen, deinen Fingern im Genick
Und ich auf dir, du auf mir, ich in dir, du in mir
Nicht in mir, nichts in dir - NICHTS

Am Ende des Tunnels das Nichts

Puppenträume

Friday, February 3rd, 2006

Ich hatte mir alles schon sauber erklärt
Doch langsam ist jede Erklärung verjährt
Nicht ein gutes Wort will ich für dich noch haben
Kein “weil” und “sie hat doch damals” noch sagen

Hätte ich früher nur etwas genauer gelesen
Jeder Schritt, wirklich alles wär´ anders gewesen
Dass ich erst seit Kurzem zu sagen weiß
“…dass verstehen nicht immer auch vergeben heißt.”

(Peinlich, dass ich erst seit so Kurzem weiß
Wenn das rote Licht an ist, ist die Herdplatte heiß)

Wenn ich dich jetzt nur sähe, wie du noch lachst
Über meine Unschuld dreckige Witze machst
Wenn ich mitgezählt hätte, wie oft du mich belogen
Um wie viele fröhliche Stunden betrogen

“…wie (sie) sich … anfühlen, wenn sie … noch ganz wären.”
Ja, großer Balu, ich könnte es dir erklären
Doch jetzt tapse ich, taste ich, tanz´ ich, Balu
Und schmecke dieselben Tränen wie du

(Doch jetzt tapse ich, stolpre ich, humple wie du
Und lache mich aus und weine dazu)

Hätte mein kindlicher Lovesong dich nie erreicht
Dein steinernes Herz für Sekunden erweicht
Ich glaub´ meine Welt wär´ noch annähernd rund
Vielleicht röche mein modriger Atem gesund

Ab heut´ will ich dich für immer verjagen
Kein “weil” und “sie hat doch damals” noch sagen
Ich, schlafend in Augsburg, hier am Kistenrand
Zerreiß´ alle Fäden hier an meiner Hand

(Ich, kauernd in Augsburg, hier am Kistenrand
Mit trockenen Augen, mit Fingern verbrannt)

Fühl mich frei

Friday, February 3rd, 2006

03. 05. 04

Welten verschwimmen ganz leise in der Ganzheit irdischen Scheins
Was oben und unten verborgen, verschwommen, bleibt hier in mir die Quelle des Seins
Laute Geschöpfe dringen in mich, durch mich, in andere Welten
Ob ich wiederkommen werde, fragst du mich, du dich, nicht mehr selten

Du vermisst mich nicht, erblickst unsichtbare Unwahrheiten in mir
Du drehst dich um dich, kopfüber, kopfunter, bleibst du still und launisch hier
Es wird besser, Vergesser, vergiss das niemals und niemals nimmer mehr
Die Welt verwandelt dich, so lass es geschehen, setz dich zu mir her

Fühl mich frei

Es geht weiter, Verbreiter unzweifelhaften, warmen Gedankenguts
Wir sind Wellenreiter, derzeit meist Opfer unseres eigenen Muts
Ertrinkende taumeln in Wellen und tauchen dann schläfrig schwimmend auf
So nimmt alles in allem wieder einmal seinen ganz normalen Verlauf

Lass mich ertrinken in dir und uns uns drehen und drehen immer mehr
Verabschiede dich von allem, es ist nicht sehr schwer, ohne Wiederkehr
Lass alles hinter, über, unter, neben dir ungesehen geschehen
Leg dich und spüre den Atem der Welt, sie will sich nur um dich drehen

Zu spät

Friday, February 3rd, 2006

Zu spät

Das leere Blatt Papier starrt mich an. Es beobachtet mich.
Unverhohlen.
Wenn es Arme hätte, es würde nach mir greifen. Mich angreifen.
Ich hasse es, beobachtet zu werden.
Beobachten bedeutet, mit Blicken sezieren.
Zerschneiden, zerfleddern, zusammensetzen - gerade wie es gefällt.
Diese Macht, hässlich.
Diese Macht. Beängstigend.

Und das leere Blatt Papier liegt noch immer da.
Klar wird es kriegen, was es will.
Es ist, als könnte es atmen.
Draußen knackt ein Ast. Als ob er einem Gewicht nachgegeben hätte, einem schweren Gewicht. Als ob da etwas wäre.
Draußen rasselt der Wind. Draußen prasselt der Regen.
Draußen ziehen dunkle Wolken auf.

Und hier das leere Blatt Papier.
Wie es mit den Augen nach mir greift.
Wie es ächzt und seufzt. Und doch tot.
Es stinkt.
Es stinkt wirklich.
Der Raum ist erfüllt von seinem Gestank.
Mein Zimmer eine Kloake.
Ekelhaft. Im Zweifellicht der Öllaterne. Mein Schatten unecht.
Mein Schatten da und doch nicht.
Dieses Gelb, wie Pisse!

Das nur wegen einem leeren Blatt Papier.
Wie schön es zu verbrennen. Einfach in die Laterne und weg.
Wenn es nicht bleiben würde, eine schöne Idee.
So tragisch.
So beklemmend.
Ich hasse es, beobachtet zu werden.
Wie es da liegt. Als ob es lacht.
Mit meiner Faust ihm zu Leibe rücken.
Als ob es lachen würde.

Dieses leere Blatt Papier flüstert in mein Ohr.
Nichts.
Du nichts.
Ich alles.
Zerschlage mit deinem Kopf auch den letzten Spiegel im Haus, bis Scherben deine Stirn zerstechen.
Was ist schon ein Liter Blut gegen eine Seite von mir?
Was Lachen, was Leid? Was ein paar Tränen? Was ein Leben?

Ein leeres Blatt Papier spricht nicht.
Stinkt nicht.
Atmet nicht.
Ein leeres Blatt Papier brennt.
Ein leeres Blatt Papier will nichts.

Allein diese Worte zu spät.

Liebe in Siegen

Friday, February 3rd, 2006

Es war kurz hinterm Sternklar
Dort wo der Bussteig beginnt
Da habe ich - du wirst es kaum glauben -
Ganz kurz nur
die Liebe gesehen.
Sie saß auf einer der Bänke
Oder stand auf dem Bahnhofsdach
Ich weiß es nicht mehr genau
Doch sicher ist: sie war da

Es ist lange her, da vergaß ich
Wie einen alten Kameraden
Der Liebe Antlitz im Sand
Ich frönte der Lebensfreuden
Und verstellte mir lachend den Blick

Was wesentlich schien ward ertränkt
Und ersäuft in vergorenem Sud
Um sie hier wiederzutreffen
So flüchtig, so sicher, so klar:

Dass es sich lohnt zu bleiben
Zu warten - wenn´s so sein soll
So muss - dann noch 20 Winter

Dass ich an sie glaube
Dass sie mich leiten, begleiten mag
In jeder kommenden Stunde -
an jedem kommenden Tag.

Friede sei mit dir

Friday, February 3rd, 2006

Wenn die Sonne ihre ersten Strahlen
durch die müde Wolkendecke in mein kaltes Zimmer schickt
und ich höre aus der Ferne heimisch die Kirchenglocken
läuten
dann erhellen ganz leise
meine schweren Augen
einen Moment
mein Gesicht

Friedlich legt sich ein neuer Tag
zu mir
haucht mir heimlich warme Worte ins Ohr
Worte nur für ihn und mich bestimmt
Doch wortlos
die Entscheidung:
Wir bleiben liegen
Arm in Arm

Es ist Sonntag

Im besten Sinne

Friday, February 3rd, 2006

Wenn die Sonne sich ihren weiten Weg von dort hoch oben hinunter zu mir hier hin in mein Zimmer bahnt, dann ist es meist so, dass ich mich leise flüsternd frage, wer sie, die sie doch so tödlich rötlich glüht, dazu gebeten hat. Jetzt, da sie nun nun mal da ist, sie auszusperren, davonzujagen keine Kraft, macht kaum einen glaubhaften Sinn mehr, muss ich mich dafür oder dagegen entscheiden: zwischen sie meiden oder leiden. Dass diese Entscheidung schon oft vor der Frage klar war, muss ich euch doch wohl nicht noch erklären, doch wer die Wahl hat muss auch wählen, das nannten unsere Ur-Väter in Ur-Zeiten Demokratie, damit meinten sie, dass gestellte Fragen einer Beantwortung eines jeden Wesens bedürfen. Nun ein Stück zurück zur Erzählung, die ich bereits begann: Sie meiden und hier leiden, ist meist mein Meinungsfreiheitseinheitsbrei, das meint beides von beiden, dunkel und gelassen, bewegungslos und starr. Das meint “Guten Tag!” im besten Sinne, nämlich hier wo ich lag liegen und die Zeit rumkriegen, sozusagen besiegen, totschlagen, den Tag beim Verenden vielleicht selber beenden - ob ihr das wohl versteht?