Archive for September, 2006

Neuer Termin

Thursday, September 28th, 2006

Samstag, 09. 12. 06 - Bergneustadt, Gemeindehaus - als Support von Flur 3

Bautzendank

Monday, September 25th, 2006

Jetzt sitze ich wieder hier in meiner ungemütlichen Bude. Acht Stunden Autofahrt einmal quer durch Deutschland, durch vier Bundesländer, waren jetzt aber auch wirklich genug. Danke an Silvia, dass Du das durchgehalten hast…
Und es ist alles noch so frisch, ich weiß gar nicht, was ich sonst noch sagen soll dazu, wie es war. Es war so viel, mit so großen Erwartungen bedacht, so komisch, wie es anfing und dann genau so seinen Lauf nahm, wie es dann lief… Es war wie ein Rausch und am Freitagabend ja sogar ein bisschen mehr als nur das “wie”. Und es ging so schnell vorbei, wie man an Straßenmusikern vorbeigeht: Ein bisschen den Schritt beschleunigen und bloß nicht hinsehen. Das werde ich wohl nie verstehen, wieso dieses Glück so scheu sein muss, als hätte es etwas verbrochen. Wenn man es ertappt, macht es sich direkt aus dem Staub. Und da fragt ihr mich, wieso ich dem nicht über den Weg traue?
Und wenn man so etwas erlebt hat - wie Ihr alle mitgeholfen habt, damit es gut wird, Ihr Jeanettes, Gandis, Buckis, Marios und der ganze geile Rest -, dann werde ich mir wieder bewusst, wie geil es sich anfühlen kann, das alles hier. Und dann schaue ich mich an, wie ich hier hänge und fühle mich dem nach so kurzer Zeit schon jetzt so weit entfernt.
Thomas D sagt: “Vielleicht ist es ein Gesetz, das es in meinem Leben gibt, dass man für jeden Tag im Himmel einen in der Hölle kriegt.” Ja, vielleicht…
Und am Freitag schon, diese Aufgeschlossenheit, dieses Interesse an mir und meinem “Auswurf” - Christiane, die völlig frei meinen “Opener” zitieren konnte (wie soll man da adäquat reagieren? Sag´s mir!) - und dann der Samstag, die vielen ernsten, berührten und dann begeisterten Blicke. Mir fehlen da einfach die Worte das unkitschig und ehrlich zu fassen, was mir das bedeutet, was mir das gegeben hat und was ich davon mitgenommen hab für mich.
Na klar, nicht zu vergessen: Die Mitstreiter. Silvia, Danny. Ein Danke an euch explizit und dann direkt, noch im selben Atemzug an Euch alle.
Ein Danke und ein Aufwiedersehen - und zwar bitte, bitte sehr bald!


Eins

Sunday, September 24th, 2006

Wenn sich unsere Augen schmunzelnd berühren und Du im rechten Moment das eine passende Wort zu mir sagst
wenn Dein wärmendes Lachen meine heiße Stirne kühlt

Dann vergesse ich, wo Ich aufhöre und Du beginnst

Weißt Du, was Deine Hand auf meinem Knie mir bedeutet
oder Dein Bein auf meinem Bein

Weißt Du, wie sich Kinder freuen
wenn man sie unerwartet beschenkt


Ein Ausblick

Sunday, September 24th, 2006

Das ist mein Weg! Ich habe keine Wahl!
Es wird immer so sein: Ich werde immer wieder nackt hier erwachen und zittern vor Kälte, zittern vor Scham und vor Einsamkeit.
Und diese Einsamkeit ist echt, immer wieder echt. Immer dann, wenn es unerklärlich ist, was mich bedrückt, wenn ich - hilflos und klein, trist und ohnmächtig - Spielball bin.
Und diese Angst. Auch sie wird wiederkommen, meine großen Worte auf den Prüfstein stellen, mich schlaflos machen, mich betrinken. Sie lässt mich Worte hören aus meinem Mund, die ich nicht gesagt habe, gestikulieren mit Armen, dich nicht mir gehören, strampeln mit Beinen, die ich nicht kenne.
Die mich mich hassen, mich verachten lässt.
Ja, diese Trauer aus dem Nichts, dieses dumpfe Gefühl hinter der Stirn, dieser ständige Druck hinter den Augen, den Tränen nah, aber kein Grund zu weinen, alles da draußen verschwimmt, keine Kraft, keine Richtung, - ja, das ist Einsamkeit. Das habe ich nur für mich. Und ja, das macht mich zu etwas Besonderem.
Das ist mein Weg!
Ich verachte ihn nicht, ich liebe ihn nicht und doch tue ich beides zugleich. Letztlich ohnehin egal, wie ich zu ihm stehe, weil ich ihn gehen muss. Und bald, ja bald bin ich wieder oben und werde ganz anders klingen.
So sicher wie ich wieder in Angst gekrümmt am Boden liegen werde.
Ich spüre die dünne Luft um meine Nase wehen, die die Veränderung bringt, die das rettende Gewitter ankündigt, oh ja, wie sehne ich mich nach Wind, nach Sturm, der mir die Welt, das Leben, in die Glieder peitscht, wie sehr sehne ich mich nach kaltem, echtem Regen auf meinem Gesicht, auf meinen Händen, der mich säubert, reinwäscht von all dem Dreck, von dieser falschen Wärme. Den Donner im Ohr, so laut und bestimmt. Den Blitz vor Augen, so unwirklich hell. Und ich so klein, so richtig dabei, so egal, von jeder Verantwortung entbunden, taumelnd groß und mächtig, so nah bei mir.
Oh, dieses Gewitter und dann die Luft danach. Und da wird jemand sein, der sie mit mir atmet. Gewiss. Und es wir nicht mehr lange dauern.
Und wir werden uns halten und von der Ewigkeit kosten für einen Augenblick. Uns glauben machen, wir hätten alle Ängste überwunden, alles Dunkle erleuchtet, alles Kranke geheilt. Und mit dem Glauben daran wird es auch so kommen, wir werden uns leuchten, wir werden uns heilen. Und wenn es nur für eine Woche ist, nur für einen Tag, eine Stunde, ich will dir dankbar sein dafür, dass du meine Luft geatmet hast und ich deine schmecken durfte.
Dafür,  dass du mich gehalten hast.
Und dann wird irgendwann wieder diese dünne Luft kommen und dann das Gewitter, vielleicht werden wir es überleben, zusammenstehen, vielleicht sogar ein zweites oder ein drittes. Nur im Gewitter bin ich allein. Da habe ich nur mich. Im Sturm kannst du nicht zu mir. Der Donner ist so laut, er lässt dich stumm vor mir, und der Blitz, so hell, du blind und ich einsam, verloren.
Du musst mich dann lassen, hörst du? - wie ich dich. Und irgendwann kommt dann ein neuer Tag, eine neue Ewigkeit, ein neuer erster Sonnenstrahl für uns. Kein Zweifel, dass es schwer wird, aber denk bitte immer an die Luft, die uns blüht, wie die Blumen nach dem Regen.

Hey, ich freu mich auf dich…

Wie die Dinge sich drehen

Sunday, September 24th, 2006

Ich versiffe hier immer mehr. Gibt ja keinen Grund aufzuräumen. Der Dreck kratzt mir schon im Hals. Meine Augen jucken, das wird wohl der Staub sein. Oder gibt es eine Allergie gegen Fruchtfliegen? Dabei haben wir doch erst vor Kurzem die Wohnung entmüllt. 50 Euro Pfand, das ist doch ne ganz schöne Leistung, oder? Und schon jetzt sammeln sich wieder die Pfandflaschen und ich hab überhaupt keinen Bock sie zum Getränkemarkt zu schleppen. Ist die Mühe nicht wert. Dabei hatte ich mir doch so fest vorgenommen, dass so etwas hier nicht mehr passiert. Ich wollte einfach nie wieder sehen, was aus Bier wird, das in einer offenen Flasche ein halbes Jahr auf dem Balkon steht. Und wie es riecht. Es schüttelt mich. Ich will es einfach nur vergessen. Wenn man den Anblick dieser dicken, sauren, Ekel erregenden Flüssigkeit nicht als Lehre nimmt, was dann? Hätte ich es trinken sollen?
Man sollte sich von der Idee endlich verabschieden, dass es eine menschliche Entwicklungsgeschichte gibt. Es ist und bleibt doch nur die Wiederkehr des ewig Gleichen, oder nicht? Alles dreht sich im Kreis, alles ist so alt, wie die Menschheit selbst, unzählige Male schon geschehen, vor Urzeiten irgendwann ausgesprochen oder getan oder halt gelassen - und dann immer und immer wieder wiederholt. Und seit es Menschen gibt, gibt es die Hoffnung. Die Hoffnung, dass der Kreis, in dem wir uns drehen, eine Spirale ist, die zu etwas Höherem führt. Deshalb gibt es ja die Kultur und die Religion, als Teil der Kultur, um uns dieses Höhere als existent, als physisches Ziel vorzugaukeln. Weil ohne diese Hoffnung sind wir wohl nicht lebensfähig. Wir wollen halt keine Tiere sein: nur fressen und schlafen und in der Paarungszeit ficken. Nein, wir sind zu Anderem bestimmt, zu Besserem. Geile Idee, aber eben nur das: eine Idee.
Vollkommen ohne Grundlage in der Realität.


Überlebt

Sunday, September 24th, 2006

Die Sonne hängt finster und warm an einer Wolke. Sie hat sich da aufgehängt. Jetzt baumelt sie hin und her und stinkt – schon seit Tagen. Diese öde Luft kratzt in meinem Rachen. In meinem Mund schmeckt es faul und bitter. Ja, das sind bittere Tage.

Die Bäume sind noch ausgezehrt, noch nackt. Die Wolken hängen tief und drückend und doch ist es hell. Und diese falsche Wärme, dieser lächerliche Wind. Nichts stimmt, nichts passt zusammen.

Die Menschen lachen nicht, die quälende Sonne zieht die Mundwinkel herab. Die Menschen sprechen nicht. Sie haben nichts zu sagen.

Neben der roten Ampel ein Stoppschild. Die Fenster leer, mit Gardinen verhangen oder zugemauert. Ein Junge schlurft lustlos durch die Straßen und lutscht ein Eis. Es schmeckt ihm nicht.

Dieser schräge Tag, er klingt so kreischend in meinem Ohren. Meine Augen wollen nichts mehr sehen, mein Bauch kennt deine Hand nicht mehr. Er hat sie vergessen. Übelkeit, Kopfschmerz, warmer, stinkender Schweiß vereint Stoffe und Körper.

Ich wünsche mir Hagel und Sturm, eine kalte Nacht, peitschend in mein Gesicht. Oh, wie es flackert vor meinen Augen! Es ist so hässlich, so grell und falsch.

Die Bäume lassen sich fallen in den kraftlosen Fluss. Jetzt liegen sie da und nichts tut noch weh. Sie müssen keinem mehr gefallen, für sie ist die Sonne tot.

Und diese fahrigen Wolken bedrängen die hellgrünen Wiesen, wie sie in meinen Augen stechen. Dienst kranken Tieren als Futter, nichts ist voll und saftig an dir, nichts nahrhaft. Du bist ausgedörrt, ausgetrocknet, wie ein Sterbender.

Nur hier ist es schön, in der Dunkelheit. Will nichts mehr sehen, nichts mehr schmecken, nichts mehr spüren. Das ist nicht der Frühling, das ist nicht die Zeit, die leben bringt, da ist kein frischer Geruch von Sträuchern und Blumen, geruchlos bist du - und kein Willkommensgruß der Vögel. Was hat euch verstummen lassen?

Meine Stirn verdüstert, verrunzelt sich, meine Augen noch trüber. Meine Nerven wie Spinnweb – bei der kleinsten Berührung zerrissen. Und dieses dreckige Wasser. Du schöner Fluss wirkst flach und krank, verunreinigt voller Unrat. Du bist braun, in der Sonne fast gelb. Giftig, abweisend und lau.

Diese Brücke, sie hat schon so vieles gesehen. So viele Tage wie diesen fraßen sich in deine steinernen Füße. Sie ist heute egal, unbefahren, unbegehbar, gesperrt. Wofür also diese Tage ertragen, wofür sie überleben?

Wenn sie töten wollen, dann lass sie doch, leg dich zu den Bäumen, lass dich einfach fallen. Die Sonne zieht dich mit all ihrer Kraft nach unten, wehr dich doch nicht, es wird nicht wehtun, eine Erlösung, wenn du fällst in dieses wabernde Brackwasser.

Die Berge, wer hat sie da hingesetzt? Die grünen Fichten sehen so albern aus auf deinem Rücken. Man müsste euch auslachen. Wer hat dir das angetan? Und vor allem wieso? Wie sie dich bewuchern, wie ein Krebsgeschwür, unaufhaltsam breiten sie dich aus, bedecken deine krustige Haut…

Gleich muss es doch kommen, das Gewitter, das sich alle Elemente wieder vereinen lässt. Nicht länger alle für sich, Feinde, so auch mir Feind.

Diese Welt – nichts wofür es sich zu kämpfen lohnte, was es zu retten wert wäre. Wenn du so aussiehst, dann mag ich dir gerne zusehen, wie du vor die Hunde gehst. Dann ist es mir ein Fest und ich helfe gerne mit, nach Herzenslust.

Sein Kokain

Sunday, September 24th, 2006

Er schläft nicht mehr, denn er will jetzt alles sehen
Niemand darf ungesehen an ihm vorübergehen
Das ist seine Zeit und er ist jetzt bereit
Verleiht dem Augenblick endlich Unendlichkeit

Gibt sein Schweigen auf, denn es steht ihm nicht
Die Leute zeigen auf ihn, denn er ist nicht ganz dicht
Das ist ihre Sicht und irgendwie ham sie ja Recht
Er lässt dich nicht eben leben, nein er sucht das Wortgefecht

Er schläft nicht mehr, er ist längst ausgeruht
Sein Kokain treibt ihn aus Liebe und Wut
Er denkt nicht mehr, betritt die Bühne und lebt
Gibt euch alles, was er weiß und kann, wenn ihr ihm alles gebt

Gibt seine Zweifel auf, seine Angst und Sicherheit
Befreit sich von allem, was ihn und sein Hier entzweit
Er geht zu weit, er sucht Streit, warme, wahre Berührung
Gegen Bettlägerigkeit und gegen Federkernverführung

Damit es schneller geht

Sunday, September 24th, 2006

Da fahre ich also wieder. Fahre über Hügel, durch Täler, über frischberegnete, grüne Wiesen, über alte Brücken, über den braunen, kranken Fluss. Ich höre eure Stimmen wieder. Höre den Ort, an dem wir sind und wer alles dabei ist hier, welche Scheiße du zum Abendessen. Sehe, wie du sie frisst, dir die Finger ablutschst und schmatzt. (Deine Eltern sind Versager!) Und nichts ist geschehen.
Nur in meinem Mund schmeckt es noch schaler denn je, hinter meiner Stirn stumpf: Freut was? Nervt was? Schmerzt da noch was? Und die Sonne lacht, so wie ich, gerade noch, zwar ohne Herz, aber mit ganzem Leib – ist das denn nichts? Es ist eingeschlafen das Herz, lau, lebendig und doch abwesend. Abwesend, unberührbar und still.
Keine Angst, es wird schon wieder.
Und einer ist jetzt weg. Fehlt jetzt. Für immer. Das Beste so, höchste Zeit, Glück gehabt. Und im Gebet Kontakt, die Wahrheit verzerrt, doch mittendrin dann früh genug verschluckt. Erstickt. Die zwölf Tränen verschenkt, fühlten sich gut an, hoffte ich. In echt: fühlten sich nicht an.
Auch nicht.
Ich bin taub. Deine Stimme aus dreihundert Kilometern. Irgendwas mit Mitleid und dass du es gut meinst und so. Ja, ich weiß und doch kommt nichts, nein, der Weg zu weit.
Die Worte verlieren sich.
Und dieses Brett mit den Saiten, mein Freund? Es steht doch nur da und staubt. Haben den Kontakt verloren. Du liegst so falsch in meiner Hand. Keine Berührung mehr, kein Trost.
Und die Sonne lacht. Und Bäume und Häuser ziehen vorbei. Dort in der Stadt nur sinnlose Gesichter, schleppen ihre Körper durch die schlaglochübersäten Straßen. Jeder Schritt tut weh, jenen Wenigen, die noch empfindsam sind, jeder Schritt egal: mir und euch wie mir. Was meine Euphorie mich manchmal packt und schüttelt. Adrenalin, ein Hormon – macht mich zum Strandkind mit Triebfeder, hüpfe blind auf einem Bein. Wie ich euch nehme dann, an mich nehme, wie gut ich euch tue dann, helfe euch eure Zeit hinwegzulügen. Meine Witze sind gut, richtig gut dafür, lache schließlich selbst die meiste Zeit. Aber im Ende bleiben sie Wollknäuel für die jagende Katze.
Es ist so würdelos alles, so klein, so falsch und verlogen. Sogar die Sonne lacht jetzt nicht mehr. Und wer einen Swimming-Pool hat zieht halt dort seine Bahnen. Die Anderen schwimmen aufs Meer hinaus und schmecken die salzige Tiefe. (Vielleicht ertrinken sie sogar.)
Die meisten gehen ins Schwimmbad. Sie schwimmen dann an endlosen Kacheln vorbei, immer hin und her und hin und her. So ist es wohl: Die Kacheln bleiben gleich, nur bei jedem nächsten Mal, kaum wahrzunehmen, ein paar Algen mehr, ein bisschen Urin. Und man ist ein bisschen entkräfteter, ein bisschen müder dann. Und sie können das richtig gut: Die Augen zusammenkneifen wegen dem Chlor und nur denken an den nächsten Zug – und die Muskeln kommen von allein.
Gib ihnen doch mal einer einen Ball, dass es schneller geht!
Der Delfin macht das doch gern. Und wenn er nicht will, muss man ihn lassen. Das ist wirklich nur ein Spiel für ihn. Ich sehe es ihm an, wenn er mal nicht gut drauf ist. Und schau doch mal: Heute lacht er, das sieht man doch. Süß, ne?
So einfach den Sinn des Liftens erklärt. Das ist der ganze ästhetische Wert. Ist doch süß, ne?
Und dann fressen und saufen und schlafen. Wie die Kuh. Alles zum Selbstkostenpreis. Kein Grund Verhandlungen zu führen. Wer will damit schon seine kostbare Zeit vertun. Also ich nicht. Also ich bestimmt nicht.
Und fürs Ende noch ein: wird schon wieder und ein: nichts passiert.
Das verliert sich schon wieder.
Süß, oder?

Geil

Sunday, September 24th, 2006

… Aber intensiv war es und ist es. Dass das dir wehtut ist damit zwingend verbunden. Der Ausgeglichene bleibt an deiner Seite immer gleich. Er hat Bestand. Der Emotionale, der Leidenschaftliche, überrumpelt dich und wird überrumpelt von seinem Gefühl. Er geht Schlangenlinien neben dir, kommt dir nah, immer näher und entfernt sich immer wieder, immer weiter von dir.

Öffnet dich und verschwindet.
Und irgendwann kommt er zurück zu dir und ist wieder da für dich.
Bei dir.
Du vergisst, wie weh er dir getan hat und willst ihm gerade sagen, dass es so, genau so bleiben solle, da hört er dich schon nicht mehr. Du rufst und er reagiert nicht.
Er lässt dich stehen, dort in der Sonne, die er nicht teilt mir dir. Und er hat seine Nacht allein. Dabei hast du eben vergessen, dass er keiner von den biederen Geraden ist, sondern ein Glückssüchtiger, ein Rückhaltloser…
und jetzt ein Fallender;
weil du es so wolltest.
Wenn du ihn wählst, wählst du großes Glück und großen Schmerz, immer wieder. Eine Entscheidung gegen Langeweile und Mittelmaß.
Wenn du dich für ihn entscheidest musst du alles sein: beschützende Mutter und schutzloses Kind, verlangende Geliebte und liebende Freundin.
Und er wird alles nehmen von dir, dich aufsaugen in sich. Du wirst im Chaos leben von Zeit zu Zeit. Keine Möglichkeit Ordnung zu schaffen und dich dem zu entziehen.
Und dann wirst du von ihm beschenkt, überhäuft werden von ihm, einfach so. Du wirst bekommen, mehr als du tragen kannst.
Ja, du wirst in Luxus leben.

Nur Sicherheit suchst du vergebens bei ihm, oder Halt.
Aber was du findest, soll dir reichen:

Gedanken, die dich verändern werden.

Und das geile Gefühl am leben zu sein.

Heut Nacht

Sunday, September 24th, 2006

Wenn etwas geschieht, dass unaufhaltbar böse, krank, dass unkontrollierbar zerstören will, wenn es vor der Tür steht und man weiß, dass nichts seinen Gang aufhalten, wenn man ihm ins Gesicht blickt und die Luft steht, die Beine zittern, weil sie laufen wollen, doch der Kopf lässt sie nicht, weil er die Sinnlosigkeit kennt, wenn man dann schlafen will und der Schweiß auf der Stirn das Kissen aufwühlt, es glatt macht, glitschig, warm, klebrig, wenn dieses nervende Geräusch nicht aus den Ohren geht, die Bilder nicht verschwinden wollen, wenn man weiß, man kann es berühren, wenn man die Hand ausstreckt und doch wehrlos daliegt, wenn man einfach nur wartet und die Beine immer mehr dagegen gehen wollen, wenn das Blut in den Adern aufwallt und gegen die Zunge schlägt und die Stimme singt heiser gegen die Angst und die Hand wird zur schweißnassen Faust und schlägt gegen die Wand oder lässt es, wenn alles egal wird und man sich hingibt der Ahnung, dass es schlimm wird und man aufgibt und es kommen sieht und es zu sich ins Bett kriechen lässt, wenn man spürt, wie es einen dann einnimmt für sich, die Beine wehren sich noch, der Kopf wird immer ratloser und deshalb rasend, auch er will weg, doch er weiß es so fest, es gibt kein wohin, wenn man es so nah bei sich spürt, dass jedes Draußen verschlungen ist und man merkt, wie auch das Drinnen fast tot und man wünschte es würde jetzt endlich, vielleicht ein bisschen schneller und doch kämpft man immer stärker, wenn man es nur wieder rauslassen könnte, doch es ist da und es ist drin, wenn es ein Mal da ist, dann bleibt es auch, ob man es erduldet, erträgt oder verjagen will, es ist da, wenn es will kommt es und es will, das spürt man so deutlich, wie die Uhr tickt, wie da eine Welt draußen ist, die klingt, doch nichts mit dem Hier zu tun hat, weil hier ist alles und draußen ist jetzt nichts mehr, gar nichts und man kratzt sein Gesicht, um sich noch ein Mal zu spüren und das Eisen auf der Zunge war ohnehin schon da, man schmeckt es nicht mehr und man wendet sich nach rechts und nach links, steht auf, geht umher und tritt so feste auf den Boden, dass er beben müsste, doch keine Reaktion, wenn man dann mit der Faust gegen den Kopf und das Blut aus der Nase fließt, weil es zu egal war noch ein Mal schlägt und dann merkt, wie sie zerbricht, die Nase, es hört und mit den Achseln zuckt und man frisst so schnell, so viel, dass man die riesigen Brocken erbrechen muss, auskotzt und man säuft, bis das Zittern so stark ist, dass die Zähne klappern und es schmeckt so faulig auf der Zunge und man weiß, dass es nicht geht, wenn man sich nicht vergewaltigen lässt von ihm, wenn man nicht alle Fenster und Türen öffnet und all seine Freunde willkommen heißt.

Beim letzten Mal hat man überlebt. Nur dieser Gedanke zählt jetzt. Jeder Überlebenswille steckt nur in diesem Gedanken, während der Körper sich fügt, jeden Kampf für verloren erklärt hat. Und es dringt ein und man wird Gast, ungebetener Gast in sich selbst, den es rauswerfen will, kein Platz für beide, doch draußen ist kein Dach, da ist Kälte, Nacht und Tod und man bleibt liegen, lässt die Daumenschrauben schrauben, lässt die Wassertropfen tropfen. Beim letzten Mal… auch keine Kraft.

Nichts mehr heut Nacht für heut Nacht.