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Freitag, 20. Juli 2007
Süß macht lustig
Im Vorschulalter versuchte Philipp Süß, auf einer Salami zu musizieren. Das hat nicht geklappt. Mit sieben Jahren wechselte der Krefelder zur Klarinette. Seitdem ging´s musikalisch bergauf. Heute ist er als Liedermacher unterwegs.
VON HOLGER HINTZEN
KREFELD Nett war´s, mal wieder daheim in Krefeld zu sein. Zumal zum Konzert neulich in der Kulturrampe am Großmarkt auch eine Zuschauerin aus Neuss kam, die Philipp Süß schon mal in Bergneustadt hatte singen hören. “Ein Fan, der wegen mir anreist - das ist doch schon mal was. Vielleicht geht jetzt langsam was los”, sagt Süß.
Der Tonfall lässt allerdings keinen Zweifel, dass der Stolz auf dieses Beinahe-Starsein nicht so ganz ernst genommen werden darf. Denn Musiker aus dem Genre Liedermacher haben derzeit nicht unbedingt die größten Aussichten auf viel Sendezeit bei VIVA und MTV. Außerdem gibt Philipp Süß, geboren am 22. Juli des Jahres 1982 in einem anthroposophischen Krankenhaus in Herdecke, auch unumwunden zu: “Ich erzähle halt gerne Geschichten.”
Die zu seiner Biographie sind ja auch wirklich spaßig: Dass bei John Lennons Geburt die Sterne ähnlich standen wie im Fall Süß, dass er im Vorschulalter versucht hat, auf einer Salami Gitarre zu spielen, wie er mit sieben Jahren in der Krefelder Musikschule anfing Klarinette zu lernen und schließlich mit 13 Jahren von seiner Oma die erste Gitarre geschenkt bekam. Eine folgenschwere Tat. “Kaum hatte ich die Gitarre, habe ich meinen ersten Song geschrieben. Meine Eltern mussten sich das anhören. Ich war damit sehr aufdringlich”, erzählt Süß. Und fügt nach einer Kunstpause hinz: “Das ist eigentlich bis heute so. Nur hört es sich jetzt ein bisschen besser an.”
Frau Fichtner, die alte Dame, die bis vor kurzem im Geschoss unter der Siegener Studentenwohnung des Barden wohnte, sah das wohl anders. Sie hat des Nachts oft mit dem Besenstiel an des Künstlers Fußboden geklopft. “Aber so ist das nun mal. Wenn ich eine Idee habe, verfalle ich in einen Wahn. Dann feile ich die ganze Nacht an einem Akkord bis der perfekt ist”, entschuldigt sich der Komponist.
Wobei: Dass seine musikalischen Fähigkeiten nicht grenzenlos sind, weiß Süß: “Ich habe immer zuerst einen Text und mache dann dazu die Musik. Musik ist das Medium in dem ich meine Texte vermittele.” Die können durchaus bisweilen sogar schwermütig - und von müden Augen und kranken Händen erzählen oder von Stunden, die im Weg stehen und nicht weggehen.
Das führt freilich zu der Frage an den Literatur-Studenten Süß. Warum dann überhaupt Musik und nicht einfach Lesungen? “Nun ja, Musik ist schon wichtig. Sie unterstreicht die Emotion eines Textes. Und ich bin ein ungeheurer Musikfan.” Slime, Tocotronic, Kettcar, Selig - das sind die Favoriten des Liedermachers, der vor seiner Solokarriere in etlichen Bands gespielt hat. “The Stars” hieß die erste. Deren internationaler Durchbruch wurde durch das Einsetzen des Stimmbruchs verhindert. Dann war da - ebenfalls in Krefelder Schulzeiten - eine Combo namens - ähem - Samenstrang. “Wir waren furchtbar schlecht. Wir haben uns nie entwickelt, weil wir nie Stücke nachgespielt haben, sondern immer nur meine Songs gespielt haben”, sagt Süß.
So richtige Hits können das damals wirklich nicht gewesen sein. Dafür ist die Klassenfahrt des Zwölftklässers Süß ein starkes Indiz. Es fügt sich dabei, dass die Krefelder Eleven in der Toskana auf eine Gruppe Krankenschwesterschülerinnen trafen und eine davon so recht nach dem Geschmack des jungen Herrn Süß war. “Ich habe mir ihr, ihrer Freundin und dem noch sehr jungen Busfahrer der Schwestern-Gruppe abends am Strand gesessen und Gitarre gespielt. Und ich habe gespielt und gesungen - und gedacht: Perfekt! Gleich haste sie. Und was war?” Wir ahnen es. Der Busfahrer? Süß lacht. “Genau, der Busfahrer hat sie gekriegt.” Auch eine nette Geschichte. Wäre eigentlich mal einen Song wert.