Archive for August, 2007

Es tagt im KZ

Wednesday, August 29th, 2007

Ich sitze hier reglos und schaue ihm zu
Wie er ganz langsam verfault
Wie die Maden ihn nehmen, sich laben an ihm
Sich ergötzen an diesem Schmaus

Ich sitze hier fühllos und weine ganz still
Ich kann sie fast schmatzen hören
Es ist rührend sie so friedlich fressen zu sehen
Wie Freude und Leid sich umarmen

Ich sitze hier schlaflos, ringsum ist es leis´
Kaum hörbar ein Wimmern und Zucken
Wenn ich sie ihre Bäuche sich voll schlagen seh´
So wie die Kleene am Weihnachtsabend

Ich sitze hier leblos, es tagt im KZ
Dort hinten flucht einer und Stimmen, die rufen
Die Sonne strahlt feucht durch das Loch in der Wand
Nichts kann die Nimmersatten stören

Ich versuch ihn zu heben, ein Zittern, ein Ziehen
Fett trotten die Nachtgesellen davon
Ich verschwimme vollkommen vor glasigen Augen
Und am Ende schlafe ich ein

Das, was mich wegträgt, ist
Heut wird der Tag sein
Denn das, was der Wind macht, ist
Nur das bisschen Staub

Das, was mich wegträgt, ist
Heut wird der Tag sein
Denn das, was der Wind macht, ist
Nur das bisschen Staub

Das dann meine Knochen bedeckt

Inside August 2007

Monday, August 20th, 2007

CD TIPP:

  • PHILIPP SÜSS
    Hinterköpfe spiegeln nicht

Gleich ein Doppelalbum hat der Krefelder Philipp Süß produziert. Im Gesamten knapp 40 Minuten Gitarrenlieder über “Das Ende der Ewigkeit” (mit geschicktem “Lola”-Halbweltsample) und die plötzliche Stille am Beziehungsende, produziert vom Bremer Liedermacher Lars Gerhardt, der auch in Siegen Musik gemacht hat. Süß tummelt sich mit schlichten Geschichten und einfachen Songs zwischen Ich und Ich. Die vollkommene Unaufgeregtheit sowohl der einfallsreichen Reime als auch der kaum jemals gewollt klingenden Klampferei macht die Scheibe sehr, sehr hörenswert! Die A-Seite sozusagen besteht aus einem Live-Mitschnitt von fünf Stücken, bei denen das Allroundtalent Danny Effenberger fröhlich mitsingt und -pfeift. Der hidden track (und einzige englischsprachige Song) ist dabei der heimliche Hit. Die B-Seite (= CD2) bringt sechs weitere, teils gesellschaftpolitisch beißende, im Studio eingespielte Melancholien, etwa über Muttis Tod durch einen Anschlag und die Selbsteinschätzung “Ein Grobmotoriker bittet zum Tanz” - definitiver Konzert-Favourite des Sängers als auch seines Publikums. Die CD ist bei orgasmic_rockstar@web. zu haben.

RHEINISCHE POST

Sunday, August 19th, 2007

Hier das Original:

RP_20_7_2007.pdf

Freitag, 20. Juli 2007
Süß macht lustig
Im Vorschulalter versuchte Philipp Süß, auf einer Salami zu musizieren. Das hat nicht geklappt. Mit sieben Jahren wechselte der Krefelder zur Klarinette. Seitdem ging´s musikalisch bergauf. Heute ist er als Liedermacher unterwegs.
VON HOLGER HINTZEN
KREFELD Nett war´s, mal wieder daheim in Krefeld zu sein. Zumal zum Konzert neulich in der Kulturrampe am Großmarkt auch eine Zuschauerin aus Neuss kam, die Philipp Süß schon mal in Bergneustadt hatte singen hören. “Ein Fan, der wegen mir anreist - das ist doch schon mal was. Vielleicht geht jetzt langsam was los”, sagt Süß.
Der Tonfall lässt allerdings keinen Zweifel, dass der Stolz auf dieses Beinahe-Starsein nicht so ganz ernst genommen werden darf. Denn Musiker aus dem Genre Liedermacher haben derzeit nicht unbedingt die größten Aussichten auf viel Sendezeit bei VIVA und MTV. Außerdem gibt Philipp Süß, geboren am 22. Juli des Jahres 1982 in einem anthroposophischen Krankenhaus in Herdecke, auch unumwunden zu: “Ich erzähle halt gerne Geschichten.”
Die zu seiner Biographie sind ja auch wirklich spaßig: Dass bei John Lennons Geburt die Sterne ähnlich standen wie im Fall Süß, dass er im Vorschulalter versucht hat, auf einer Salami Gitarre zu spielen, wie er mit sieben Jahren in der Krefelder Musikschule anfing Klarinette zu lernen und schließlich mit 13 Jahren von seiner Oma die erste Gitarre geschenkt bekam. Eine folgenschwere Tat. “Kaum hatte ich die Gitarre, habe ich meinen ersten Song geschrieben. Meine Eltern mussten sich das anhören. Ich war damit sehr aufdringlich”, erzählt Süß. Und fügt nach einer Kunstpause hinz: “Das ist eigentlich bis heute so. Nur hört es sich jetzt ein bisschen besser an.”
Frau Fichtner, die alte Dame, die bis vor kurzem im Geschoss unter der Siegener Studentenwohnung des Barden wohnte, sah das wohl anders. Sie hat des Nachts oft mit dem Besenstiel an des Künstlers Fußboden geklopft. “Aber so ist das nun mal. Wenn ich eine Idee habe, verfalle ich in einen Wahn. Dann feile ich die ganze Nacht an einem Akkord bis der perfekt ist”, entschuldigt sich der Komponist.
Wobei: Dass seine musikalischen Fähigkeiten nicht grenzenlos sind, weiß Süß: “Ich habe immer zuerst einen Text und mache dann dazu die Musik. Musik ist das Medium in dem ich meine Texte vermittele.” Die können durchaus bisweilen sogar schwermütig - und von müden Augen und kranken Händen erzählen oder von Stunden, die im Weg stehen und nicht weggehen.
Das führt freilich zu der Frage an den Literatur-Studenten Süß. Warum dann überhaupt Musik und nicht einfach Lesungen? “Nun ja, Musik ist schon wichtig. Sie unterstreicht die Emotion eines Textes. Und ich bin ein ungeheurer Musikfan.” Slime, Tocotronic, Kettcar, Selig - das sind die Favoriten des Liedermachers, der vor seiner Solokarriere in etlichen Bands gespielt hat. “The Stars” hieß die erste. Deren internationaler Durchbruch wurde durch das Einsetzen des Stimmbruchs verhindert. Dann war da - ebenfalls in Krefelder Schulzeiten - eine Combo namens - ähem - Samenstrang. “Wir waren furchtbar schlecht. Wir haben uns nie entwickelt, weil wir nie Stücke nachgespielt haben, sondern immer nur meine Songs gespielt haben”, sagt Süß.
So richtige Hits können das damals wirklich nicht gewesen sein. Dafür ist die Klassenfahrt des Zwölftklässers Süß ein starkes Indiz. Es fügt sich dabei, dass die Krefelder Eleven in der Toskana auf eine Gruppe Krankenschwesterschülerinnen trafen und eine davon so recht nach dem Geschmack des jungen Herrn Süß war. “Ich habe mir ihr, ihrer Freundin und dem noch sehr jungen Busfahrer der Schwestern-Gruppe abends am Strand gesessen und Gitarre gespielt. Und ich habe gespielt und gesungen - und gedacht: Perfekt! Gleich haste sie. Und was war?” Wir ahnen es. Der Busfahrer? Süß lacht. “Genau, der Busfahrer hat sie gekriegt.” Auch eine nette Geschichte. Wäre eigentlich mal einen Song wert.

Redensmüde

Friday, August 3rd, 2007

Ich bin redensmüde und sangesfaul
So fahrschullehrerhaft unterwegs
Ich bin so wach wie ich niemals sein wollte
So wach wie ich niemals sein wollte

Ich bin atmungsaktiv und gefühlsecht
Ein Schluckspecht mit Hausrecht, ein Schluckspecht mit Hausrecht
Ein Schluckspecht mit Hausverbot
So redensmüde, redensmüde
So lebenslustig

Ich glaub, ich sauf mich heut Abend mal schön
Heut Abend mal schön, ich sauf mich heut schön

Ich bin unwiderstehlich zart im Geschmack
So redensmüde und sangesfaul
Ich glaub, Du hältst jetzt mal besser dein Lenkrad fest
Denn jetzt wird´s gefährlich

Bin so wach wie ich niemals sein wollte
So schwach wie ich immer sein sollte

So redensmüde, redensmüde, redensmüde…