Archive for June, 2009

11. Tag im Studio

Tuesday, June 30th, 2009

Boah, heute war ich müde. Aber ehrlich. Zum Glück musste ich praktisch nichts machen. Es stand nämlich das Einspielen der Geigen auf dem Programm. Meine Fähigkeit dieses Instrument zu bedienen ist vergleichbar mit der unfreundlich zu sein – ich kann so was nicht. Also musste Francis Norman mir aus der Patsche helfen. Und ich kann mir keinen besseren Aus-der-Patsche-Helfer vorstellen als ihn, zumindest auf dem Gebiet. Er ist unter anderem Geiger in der Backingband von Rosenstolz. Ja, mit so dicken Fischen schwimme ich jetzt. Als ich kam, war er schon da. Ein freundlicher, zurückhaltender, eher nüchterner Typ – er war ja nicht zum Quatschmachen gekommen, sondern zum Musizieren.
Wir nahmen uns „Der gemütlichste Sessel der Stadt“ vor und er spielte ein ganzes Orchester ein. Immer erst Bratsche und dann die Geigenspur. Die Melodien erklangen in einer unfassbaren Präzision und mit ebensoviel Herz, so was habe ich selten bis nie erlebt! Es ging dann auch relativ fix, bis wir die Arbeit an diesem Lied beenden konnten und „Ein Grobmotoriker bittet zum Tanz“ in den Fokus rückte. Auch hierzu wurde ein bisschen arrangiert, ein bisschen probiert und überlegt und schon war Francis wieder weg, im schalltoten Nebenraum, um das Seinige zu diesem Lied beizutragen. Das schafften wir nur halb, dann musste er weg, aber nicht ohne uns zu versichern, dass ihm die Musik (vor allem die Texte) gefiele und er uns gerne erneut zur Verfügung stehe. Ich bedankte mich artig.
Nach einer kurzen, etwas längeren Pause (es ist Wimbledon: wusste gar nicht, dass mich das interessiert…), setzten wir die Arbeit an dem Sessel-Lied fort. Erst Conga, dann Tamburin, dann Shaker – der Rhythmus wurde immer lebendiger und treffender. Herrlich. Ja, der Florian kann auch richtig was. Jedoch wuchs ein seltsames Unbehagen in mir. Beim mehrmaligen Anhören des nun fast fertigen Liedes erschien es mir so fremdartig. Es klang so pompös. Es klang nicht nach dem ranzigen, alten, plüschigen Wohnzimmersessel, den ich beim Spielen immer sah, sondern eher nach einem prunkvollen Thron. Da verstand ich, wie sehr das Produzieren eines Liedes auch die Interpretation beinhaltet und dass man dieses Lied auch genau so hören kann und es ebenso richtig ist. Es ist halt anders. Ich gebe aber gerne zu, dass wir beide uns noch ein wenig aneinander gewöhnen müssen. Stell dir vor, deine Freundin kommt vom Frisör nach Hause und trägt plötzlich ne Kurzhaarfrisur. Ihr seid seit drei Jahren zusammen und sie hatte immer eine wallende Mähne. Und jetzt das! Sie ist immer noch die Selbe, sie sieht immer noch toll aus, aber das kannst du gar nicht wahrnehmen: du siehst nur die Andersartigkeit.
Gib mir zwei Tage Gewöhnungszeit und ich werde es lieben von diesem neuen Sessel auf die Stadt zu blicken. Ganz bestimmt.

10. Tag im Studio

Tuesday, June 30th, 2009

Die zweite Studiophase wurde heute Mittag um 8 nach halb 2 eingeläutet. Der Zug von Krefeld nach Anrath fährt nämlich immer um halb und um voll, also halbstündlich, und braucht 8 Minuten, um meinen feinen Leib zu Florian in die Heimstatt seines Zeitstrahl-Studios zu bringen. So kam ich also bestens gelaunt mit meinem neuen Sommerhut dort an und er erwartete mich ebenso lächelnd aus seinem Auto.
Für heute waren keine Aufnahmen angesetzt, sondern es ging vielmehr um die Planung der nächsten zwei Wochen. Wir hörten uns einige Lieder nochmals an und stellten fest, dass die Bandaufnahmen von letzter Woche brauchbar sind. Wofür auch immer. Ich plädiere ja immer noch für eine Doppel-CD. Die Idee, ein Livealbum zu faken, indem wir Publikumsgeräusche und euphorischen Applaus zwischen die Lieder mischen und ich Pseudo-Ansagen dazu aufnehme, steht aber genau so hoch im Kurs. Mal sehen…
Nun gingen wir den Plan durch: Welche Musiker werden benötigt? Wo kriegen wir einen Akkordeonspieler her, der kein Geld verlangt, aber trotzdem unfassbar gut ist? Wo ist die Handynummer vom Geigenspieler, der doch schon fest für die Aufnahmen eingeplant war? Und wie lange arbeiten Lehrer? Diesen Beruf übt nämlich der Kontrabassist aus, dem wir die varantwortungsvolle Aufgabe zugedenken, auf meiner Platte sein Können zum Besten zu geben.  Florian rief ihn einfach an und siehe da: Nächste Woche Dienstag wird er uns sein Instrument und seine technischen Fertigkeiten daran ausborgen.
Aber wer spielt Akkordeon? Wir ergötzten uns an der Idee, einer Probe des Akkordeonorchesters Tönisvorst beizuwohnen, mit dunklen Sonnenbrillen, und uns dort wie die großen Popproduzenten aufzuplustern. Sucht im Netz mal nach Bildern von solchen Orchestern und ihr werdet sehen diese Vorstellung ist wahnsinnig komisch.
Nach ein paar Minuten war auch die Nummer von Francis organisiert. Er kommt morgen und bringt seine Geige mit. Ich bin gespannt, wie das klingen wird. Auf die Akkordeonfrage haben wir noch keine Antwort gefunden, aber wir bleiben da dran. Also wenn jemand jemanden kennt, dessen musikalische Leidenschaft größer ist als der Geschäftssinn, nur her mit den Kontaktdaten.
Ich jedenfalls muss jetzt dringend schlafen. Ist schließlich schon mehr als spät. Und diese ganzen Fragen machen so müde. Wann verpflichtet der FC eigentlich endlich den ersten Defensivspezialisten?

9. Tag im Studio

Sunday, June 28th, 2009

Am vergangenen Dienstag verschlug es mich endlich mal wieder ins Zeitstrahl Studio zu Anrath. Und ich hatte Verstärkung mitgebracht: Meine wunderbare Band „So“, bestehend aus Silvia am Fagott und Bastie am Cajon. Es wäre doch viel zu schade, wenn wir es nicht wenigstens versuchen würden, die Lieder unter diesen tollen Bedingungen aufzunehmen, so meine Gedanken.

Gedacht, getan: nachdem alles mikrofoniert war und Bastie seine Müdigkeit aus den Knochen geschlafen hatte, konnte es auch schon losgehen. Wir nahmen im ehemaligen Partykeller so Platz, dass unsere Körper mitsamt Instrumenten ein gleichschenkliges Dreieck ergaben und spielten uns mit dem Intro zu „Redensmüde“ warm. Danach machten wir weiter mit „Was dir fehlt“ und es lief auffallend gut. Schließlich haben wir auch formidabel geprobt im Vorhinein. Wir fuhren fort mit „Das Nebeneinander von Dingen“ und auch das wusste ziemlich schnell zu gefallen. Mit „Ein Grobmotoriker bittet zum Tanz“ musste dann hingegen richtiggehend gerungen werden, einige Übergänge klappten nicht so, wie sie es sollten. Aber auch die kriegten wir letztendlich irgendwie hin. Kurz vor Mittag widmeten wir uns noch dem Lied „Ein Festmahl“. Ein kleines, einfaches Ding – das haben wir schnell, so dachten wir in unserem jugendlichen Schwachsinn. Mit dem Resultat: dieses Lied wird garantiert nicht auf der Platte zu hören sein.

Nach der Pause kamen wir ein bisschen schwerfällig in Gang, aber mit „Vom Tellerwäscher“ spielten wir uns wieder auf Betriebstemperatur. Darauf folgte „Da schließt sich der Kreis“, unser aus Funk und Fernsehen bekannter Gassenhauer. Wir zockten, dass es eine Freude war. Und auch „Das alte Feuer“ hatten wir schnell entfacht. Das Ergebnis wusste Florian so zu begeistern, dass er mehrmals den Ausruf „Das ist Punk! Das ist echter Punk!“ gen Himmel stieß, um dann hinzuzufügen: „Das kommt genau so auf die Platte!“ Ich war glücklich.

Damit war die gemeinsame Bandarbeit erledigt. Nun wurde Silvia alleine in den schalltoten Raum gesperrt, in dem ich in den vergangenen Wochen so manche Stunde verlebt hatte. Sie bekam Kopfhörer aufgesetzt und spielte ihre Fagottlinie zu „Das Nebeneinander von Dingen“ und das „Redensmüde“-Intro noch mal separat ein. Das klang so gut, dass wir schon an einem Fagott-Zwischenspiel rumbastelten. Nach 12 Stunden Studio waren wir zwiefach fertig. Aber wirklich. So fuhren wir selbstzufrieden zurück nach Köln, nicht bevor mir Florian noch steckte: „Heute hat die Platte einen guten Schritt nach vorne gemacht…“

Achtung, Achtung!

Thursday, June 25th, 2009

Das morgen für Aachen anberaumte Konzert zusammen mit Halbwolf muss kurzfristig verlegt und beginnt bereits pünktlich um 20 Uhr, da wir nur bis 22 Uhr Krach machen dürfen.

Die neue Location:
The Wild Rover
Hirschgraben 13

Und was unbedingt noch gesagt werden muss: Ein fettes Danke an alle, die gestern an diesem Wahnsinnsabend beteiligt waren: vor, hinter, neben, unter, über und auf der Bühne - das war unvergleichlich!

Konzerte über Konzerte

Sunday, June 21st, 2009

Eine erlesene Schar junger, ambitionierter Musiker hat sich zur Aufgabe gemacht, sein Publikum an einen Ort zu entführen, an dem der höchste Genuss alltäglich ist: ein Ausflug ins kulturelle Schlaraffenland. Aus diesem Grunde darf ich Ihnen, meine Damen und Herren, hocherfreut und völlig uneigennützig folgende Veranstaltungen ans Herz legen:


1. KÖLNER SCHLARAFFENTAG

Mi, 24. 06. 09 im Stadtgarten -> www.stadtgarten.de

mit
Gisbert zu Knyphausen -> www.myspace.com/gisbertzuknyphausen
Die Oliver Minck Erfahrung
-> www.myspace.com/dieoliverminckerfahrung
Roland Meyer de Voltaire (solo) -> www.myspace.com/voltairegermany
Halbwolf -> www.myspace.com/halbwolf
Philipp Süß Und So -> www.myspace.com/philippsuess

Einlass: 19 Uhr 30, Beginn: 20 Uhr
Tickets unter www.offticket.de
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Fr, 26. 06. 09 Aachen - Hauptquartier -> www.hauptquartier.ac
mit
Halbwolf -> www.myspace.com/halbwolf

Einlass: 21 Uhr, Beginn: 22 Uhr
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1. KREFELDER SCHLARAFFENTAG
Sa, 27. 06. 09 in der Kulturrampe -> www.kulturrampe.de

mit
Gisbert zu Knyphausen -> www.myspace.com/gisbertzuknyphausen
Voltaire -> www.myspace.com/voltairegermany
Halbwolf -> www.myspace.com/halbwolf
Philipp Süß Und So -> www.myspace.com/philippsuess

Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr
Tickets unter www.kulturrampe.de/index.php?page=programm&view=tickets
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Selbstverständlich wird an diesen Abenden auch das leibliche Wohl der Festivalbesucher nicht zu kurz kommen. Denn schon der deutsche Lyriker Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) wusste über den SCHLARAFFENTAG zu berichten:

„Seht, da lässt sich´s billig zechen / und umsonst recht lustig sein:
Milch und Honig fließt in Bächen, / aus den Felsen fließt der Wein.“
Also kommen Sie in Scharen und bringen Sie Ihre Lieben mit. Es soll Ihr Schaden nicht sein.

Plakat.JPG

Philipp Süß macht sein Leben nackig auf twitter.com

Tuesday, June 9th, 2009

Es gibt was Neues. Ich bin doch für jeden freudvollen Quatsch zu haben. Ab jetzt erfährst du prompt und hautnah, was in meinem Leben geht. Das hast du doch immer gewollt.
Philipp Süß´ nacktes Leben auf www.twitter.com/philippsuess

Hier kann jeder an allem teilhaben. Der 140-Zeichen-Spaß der Superlative! Reinschauen lohnt sich. Du kannst mir sogar auf Schritt und Tritt folgen, wenn du willst.
Was es nicht alles gibt…

Vom Tellerwäscher

Thursday, June 4th, 2009

Was Geld bringt ist scheiße
Was gut ist, geht Pleite
Wer, zum Teufel, braucht heut noch einen Schmied?
Jeder ist seines Glückes Dieb

Verdammt, wie lang schon gibt es Spülmaschinen?
Kein dreckiges Geschirr ist übrig geblieben
Vom Tellerwäscher in den Vorruhestand
Der Millionär ist nur bei RTL bekannt

Wer Arbeit hat, versinkt darin
Wer keine hat, ertrinkt ohnehin
Was sind wir nur für Idioten, hat das einer gewollt?
Das Guido-Mobil hat uns überrollt

Wenn du noch ein Mal Asi sagst, dann fliegen hier die Fetzen
Ein Wort, um sich mit nichts mehr auseinanderzusetzen
Asi stellt keine Fragen, Asi separiert
Können über Asi lachen, weil Asi eh nix kapiert

Das kommt, wenn man Kultur wie ein paar Schuhe verkauft
Da braucht ihr euch nicht zu wundern, wenn ihr bald barfuß lauft
Sozialer Frieden - das war´s! Preisfrage: Was dann?
Ob Rentner in der U-Bahn oder das Auto von Kai Diekmann

Es wird weiter grassieren, weiter eskalieren
Ich werd mit Tränen in den Augen daneben stehen und applaudieren
Jeder Schlag tut mir weh, doch ich weiß ihr trefft richtig
Mein bornierter Pazifismus ist dabei wirklich nicht wichtig

8. Tag im Studio

Wednesday, June 3rd, 2009

Wenn man etwas tut, dann muss man es ganz tun. Oder gar nicht. Diese Lebensweisheit bestimmt mein Leben schon seit ich denken kann, deshalb werde ich auch in diesem Falle meine Beständigkeit demonstrieren und den vorerst letzten Studiotag, der inzwischen schon eine halbe Woche her ist, beschreiben.
Für diesen Tag, es war vergangene Woche Donnerstag, hatten wir uns viel vorgenommen: Es sollten alle Lieder mit Schlagzeug versorgt werden, die wir uns als schlagzeugtauglich ausgeguckt hatten. Wir versuchten uns zuerst an “Das Nebeneinander von Dingen” und schon da wurde klar, dass das nicht so einfach werden würde. An meiner holpernden und stolpernden Gitarre wäre selbst Lars Ulrich gescheitert und der ist bekanntlich der Allerbeste. Wir entschieden uns dennoch dafür, dass dieses Lied genau so klingen will und richtig ist, wie wir es aufgenommen hatten. Also wird dieser Song für immer und ewig schlagzeuglos bleiben. Der arme Tropf.
Der zweite Brocken war “Heut nicht”. Hier das gleiche Problem: Gitarre und Gesang nicht rhythmusgenau eingespielt - Schlagzeuger verzweifelt. Hier ging es aber nicht anders: Eine neue Gitarrenspur musste her. Dafür wurde erstmal ein perfekter Rhythmus aufgenommen, mir wiederum auf die Ohren gespielt und es ging los. Wir nahmen den Gesang gleich mit auf, so ging es ziemlich fix. Es sollte ja nur die Grundlage für Florians Trommeleien bieten und nicht auf der Platte erscheinen.
Weite Teile des Tages waren schon vergangen und wir noch wenig geschafft. “Der gemütlichste Sessel der Stadt” rückte auf die Tagesordnung und nach ein bisschen Diskussion fanden wir heraus, was das Schlagzeug zu spielen habe. Und es klang so gut. Wir ergingen uns schon in Ideen fürs Musikvideo und ich sagte übermütig, dass ich schon Angst vor dem Druck hätte, einen zweiten Hit dieses Kalibers zu schreiben - plötzlich war der Tag und unsere ersten 1 1/2 Wochen Zusammenarbeit dahin. Spätestens am Montag, 15. 06. soll es weiter gehen und ich werde natürlich an dieser Stelle berichten, wie es läuft und wie es mir auf dem Weg zu meiner ersten eigenen Langspielplatte ergeht.
Nett, ne?

Philipp Süß im Radio

Monday, June 1st, 2009

Am morgigen Dienstag, den 02. 06. 09 irgendwann zwischen 21 und 22 Uhr, ist ein  Telefoninterview von mir auf Welle Niederrhein (www.welleniederrhein.de) zu hören. Wer Lust hat…