Archive for November, 2009

Philipp Süß auf Weihnachtstour

Sunday, November 29th, 2009

Weihnachtsmarkt in Köln 
Freitag, 18.12.09 - Weihnachtsmarkt am Stadtgarten -> www.stadtgarten.de - Beginn 19 Uhr - Eintritt frei

Weihnachtsmatinee in Düsseldorf
Sonntag, 20.12.09 - Frieden 66 -> www.frieden-66.de - Beginn 16 Uhr - Eintritt frei

Weihnachtsjam in Siegen
Donnerstag, 29.12.09 - Meyer Musikclub -> www.meyer-siegen.de - Beginn 21 Uhr - Eintritt frei


Ein Häuschen am See

Sunday, November 22nd, 2009

Bin jetzt ein paar Jahre dabei
in dem ausweglosen Spiel
Bin schon heut manchmal satt von den Dingen
Die mich beglücken, erfreuen
betrüben und schmerzen
Und mir diese Lieder singen

Dann denk ich so bei mir
Jetzt ein Häuschen am See
und den Rest lass ich einfach geschehen
Doch wenn ich dann abends
hier vor´m Spiegel steh
Wen kann ich, wen will ich dann sehen?

Ich bin so randvoll
von den tausenden Leben
Die um mich herum sich bewegen
Seh die Falschen aufsteigen
die Richtigen fallen
Und mich mich ins Bettchen legen

Nicht selten, auch heute
winde ich mich im Kissen
Und schwitze und finde den Schlaf nicht
Wieder ein Tag nur gedacht
und nichts and´res gemacht
Nehm mein Textbuch und mach noch mal Licht

Jeder Tag birgt die Chance
Sich zu wandeln, zu werden
Erfahrung zu füllen mit Sinn
Also wirf mir nicht vor
ich kling wie ein Greis
Ich fühl mich so alt wie ich bin

Ich bliebe heute so gerne
nur hinter den Augen
Weil da ist es warm und vertraut
Ich sitze und flitsche
Steine auf dem See
Hab mir hier mein Häuschen gebaut

Doch ein Meer leerer Flaschen,
der Hunger, der Suff
Vertreiben mich aus dem Exil
Seh die traurigen Blicke
der Frau an der Kasse
Jemand schreit sie an, ich bin wieder im Spiel

Dann fühl´ ich mich randvoll
von den tausenden Leben
Die um mich herum sich bewegen
Hör den Mann über mir
seine Liebste verdreschen
Und seh mich mich ins Bettchen legen

Nicht selten, auch heute
wälz ich mich im Kissen
Und schwitze und finde den Schlaf nicht
Hab zu wenig gelacht
und stattdessen gedacht
Ich setz mich und mache mir Licht

Jedes Jahr ist ne Chance
Sich zu wandeln, zu werden
Erfahrung zu füllen mit Sinn
Also wirf mir nicht vor
Ich kling wie ein Greis
Ich fühl mich so alt wie ich bin

Konzerttagebuch II (Bonn)

Sunday, November 15th, 2009

Am gestrigen Samstag, den 14. November, stand ein Konzert in der Mausefalle zu Bonn auf meiner Agenda. Beruhigenderweise konnte ich auf der Homepage des Ladens erkennen, dass es dort zwar einen Außenbereich gibt, aber die Konzerte im Inneren stattfinden. Am vergangenen Wochenende in Sinzig habe ich ja lernen dürfen, dass der November nicht der perfekte Monat für Open-Air-Veranstaltungen ist. Sonst wäre Rock-am-Ring schließlich auch im Winter. Da sind bekanntlich die gewieftesten Geschäftsköpfe am Werk und die machen immer alles gut.
Die Stunden vor dem Konzert verbrachte ich damit, für meine immer noch nicht veröffentlichte Platte ein Cover zu malen. Das ist gar nicht so leicht, mit dem Touchpad eines Laptops. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Da sind jetzt zwei Dinge vorne drauf, die sich nebeneinander befinden. Diese Dinge haben Augen. (Sind es dann überhaupt noch Dinge?) Darüber stehen nackt und klar die Worte “Das Nebeneinander von Dingen” und darunter mein Name in gleicher Größe und Schrift. Das Ganze ist bewusst minimalistisch in Szene gesetzt. Ich bin halt kein Freund großer Gesten.
Als ich damit fertig war, musste ich mich beeilen. Hatte wohl mal wieder die Zeit vergessen. Also ab in den Zug. In der Wärme merkte ich plötzlich sehr intensiv, wie stark ich meinem Körper in der vorigen Nacht seine Grenzen aufgezeigt hatte. Mein letztes Schärflein Geist ließ mich noch schnell meinen Handywecker programmieren und schon war ich im schönsten Dreamland. Nun kam es, wie es kommen musste. Ich überhörte den Wecker und erwachte erst in Mainz. Was tun? Ich lieh mir ein Fahrrad von einer frühlingshaft gekleideten weißhaarigen Greisin und fuhr wie der Wind immer am Rhein entlang zurück nach Bonn. Ich weiß nicht, wie lange es gedauert hat, aber plötzlich stand ich wieder am Zielbahnhof. Dort wurde mir gewahr, dass meine Erinnerungsfunktion durch mein ihrer nicht gerade zuträgliches Verhalten schon gut angeknackst ist. Ich hab zwei Stunden vorher noch bei google.maps geschaut, doch jetzt, kein Plan, wo der verdammte Club zu finden ist.
Ich latschte ziellos umher, doch dann kam der Retter in Form eines Bettlers, wie gerufen, zu mir und bat mich, wie es seine Profession ist, nach ein paar Cents. Ich schlug ihm einen Deal vor. Er sagt mir den Weg und ich entlohne ihn dafür. Gesagt, gemacht. Er freute sich, ich freute mich und schon war ich da. Mausefalle 33 1/3. Ein recht schöner, verrauchter, kleiner Club. Fast keine Leute da.
Aber es war halb acht, das konnte ja noch werden. Die Leute waren alle nett zu mir. Ich vertrank direkt meine gesamte Gage. Das ging auch schnell. Ein Freigetränk wurde mir im Vorhinein netterweise zugesichert. Das sind mal Bedingungen unter denen sich arbeiten lässt. Übermütig goss ich die Cola in mich hinein, während sich der Laden zusehends füllte, sogar ein paar bekannte Gesichter konnte ich erspähen. Mit bester Laune betrat ich die Bühne und spielte die sechs Lieder, die mir erlaubt waren. Zwischen den Liedern versuchte ich immer wieder, mit gekonnten Späßen das Publikum gefügig zu machen. Das jedoch blieb, nachdem das Geräusch von ihren aneinanderschlagenden Händen verebbt war, mäuschen still. So hatte ich das auch noch nicht erlebt. Das machte es dann ein bisschen klebrig, dennoch war ich, als ich nach einer Zugabe die berühmten Bretter verließ, durchaus zufrieden, wozu mir das anerkennende Nicken meiner Freunde auch Anlass bot.
Nach ein paar weiteren Getränken verließen wir den Laden und starteten in eine weitere wilde Nacht. Aber das hat ja mit dem Konzert nichts mehr zu tun.

Konzerttagebuch I (Sinzig)

Monday, November 9th, 2009

Als die Anfrage vor ein oder zwei Monaten kam, ob ich Lust hätte am 8. November das Straßenmusikfestival “Schön Tön” in Sinzig an der Ahr mit meiner handgemachten Musik zu bereichern, war ich freudig überrascht. Zufälligerweise ist nämlich der Heimatort meiner Mutter, Bad Bodendorf, direkt nebenan und einige Verwandtschaft wohnhaftet noch eben dort. Überrascht, das aber weniger freudig, war ich von einer Erkenntnis, die mich nach einigen Minuten nachdenkens ereilte: Straßen sind ja draußen! Und das ist im November! Wenn es nicht wie verrückt regnet, ist es dann, so schrien mir 27 Jahre Lebenserfahrung ins Ohr, zumindest sehr, sehr kalt. Welch Aussicht: ertrinken oder erfrieren.
Während ich diese so komplexen wie beängstigenden Gedankengänge hatte, hatte ich die Sache aber längst zugesagt. Nun kam der Tag schleichend näher und näher. Der 8. November. Bangen Auges verfolgte ich am Abend vorher die Wettervorhersagen. Wechselhaft, Schauer, 8-10 Grad. So genanntes Novemberwetter. Was denn sonst?
Als ich am Sonntag, dem Tag des Auftritts um ca. 12 Uhr am mittag erwachte und aus dem Fenster sah, erblickte ich den schönsten Sonnentag. Zumindest etwas in diese Richtung, nur mit ein paar grauen Winterwolken gespickt. Meine Angst wandelte sich sekundenschnell in Vorfreude. Also CD´s, Gitarre und Freundin eingepackt und nichts wie los. Als wir dann durch Sinzig flanierten schien es uns, als ob die Leute eher dem Wetterbericht als ihren eigenen Augen trauten. Klar, es war kalt, aber trotzdem könnte man sich an einem solch wundervollen Spätherbsttag doch auf solch einer schönen Straßenmusikveranstaltung mal umtun. Mit anderen Worten: viel los war nicht.
Trotzdem spielte ich tapfer meine Lieder und es gelang mir sogar, ein paar vorbei laufende Passanten zu bannen. Immerhin, das motiviert. Und auch die Verwandtschaft (zwei Onkels, zwei Tanten, ein Cousin an der Zahl) trotzte der Kälte und stärkte mir Zähne klappernd den Rücken. Ich ließ mich von ihnen sogar zu einer Weltpremiere hinreißen: “Man soll sie feiern wie sie fallen” wurde zum ersten Mal - fast fehlerfrei - vorgeführt. Wie im Fluge verging die Auftrittszeit. Dass das Lieder spielen ein erheblicher Zeitbeschleuniger ist, bemerkte ich heute nicht zum ersten Mal. Schon saßen wir, CD´s, Gitarre, Freundin und ich wieder im Heimzug nach Köln, um die erhellende Erfahrung reicher, wie sich ein Straßenmusikfestival im November in Sinzig so anfühlt.