Konzerttagebuch I (Sinzig)

Als die Anfrage vor ein oder zwei Monaten kam, ob ich Lust hätte am 8. November das Straßenmusikfestival “Schön Tön” in Sinzig an der Ahr mit meiner handgemachten Musik zu bereichern, war ich freudig überrascht. Zufälligerweise ist nämlich der Heimatort meiner Mutter, Bad Bodendorf, direkt nebenan und einige Verwandtschaft wohnhaftet noch eben dort. Überrascht, das aber weniger freudig, war ich von einer Erkenntnis, die mich nach einigen Minuten nachdenkens ereilte: Straßen sind ja draußen! Und das ist im November! Wenn es nicht wie verrückt regnet, ist es dann, so schrien mir 27 Jahre Lebenserfahrung ins Ohr, zumindest sehr, sehr kalt. Welch Aussicht: ertrinken oder erfrieren.
Während ich diese so komplexen wie beängstigenden Gedankengänge hatte, hatte ich die Sache aber längst zugesagt. Nun kam der Tag schleichend näher und näher. Der 8. November. Bangen Auges verfolgte ich am Abend vorher die Wettervorhersagen. Wechselhaft, Schauer, 8-10 Grad. So genanntes Novemberwetter. Was denn sonst?
Als ich am Sonntag, dem Tag des Auftritts um ca. 12 Uhr am mittag erwachte und aus dem Fenster sah, erblickte ich den schönsten Sonnentag. Zumindest etwas in diese Richtung, nur mit ein paar grauen Winterwolken gespickt. Meine Angst wandelte sich sekundenschnell in Vorfreude. Also CD´s, Gitarre und Freundin eingepackt und nichts wie los. Als wir dann durch Sinzig flanierten schien es uns, als ob die Leute eher dem Wetterbericht als ihren eigenen Augen trauten. Klar, es war kalt, aber trotzdem könnte man sich an einem solch wundervollen Spätherbsttag doch auf solch einer schönen Straßenmusikveranstaltung mal umtun. Mit anderen Worten: viel los war nicht.
Trotzdem spielte ich tapfer meine Lieder und es gelang mir sogar, ein paar vorbei laufende Passanten zu bannen. Immerhin, das motiviert. Und auch die Verwandtschaft (zwei Onkels, zwei Tanten, ein Cousin an der Zahl) trotzte der Kälte und stärkte mir Zähne klappernd den Rücken. Ich ließ mich von ihnen sogar zu einer Weltpremiere hinreißen: “Man soll sie feiern wie sie fallen” wurde zum ersten Mal - fast fehlerfrei - vorgeführt. Wie im Fluge verging die Auftrittszeit. Dass das Lieder spielen ein erheblicher Zeitbeschleuniger ist, bemerkte ich heute nicht zum ersten Mal. Schon saßen wir, CD´s, Gitarre, Freundin und ich wieder im Heimzug nach Köln, um die erhellende Erfahrung reicher, wie sich ein Straßenmusikfestival im November in Sinzig so anfühlt.


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