Damit es schneller geht
Da fahre ich also wieder. Fahre über Hügel, durch Täler, über frischberegnete, grüne Wiesen, über alte Brücken, über den braunen, kranken Fluss. Ich höre eure Stimmen wieder. Höre den Ort, an dem wir sind und wer alles dabei ist hier, welche Scheiße du zum Abendessen. Sehe, wie du sie frisst, dir die Finger ablutschst und schmatzt. (Deine Eltern sind Versager!) Und nichts ist geschehen.
Nur in meinem Mund schmeckt es noch schaler denn je, hinter meiner Stirn stumpf: Freut was? Nervt was? Schmerzt da noch was? Und die Sonne lacht, so wie ich, gerade noch, zwar ohne Herz, aber mit ganzem Leib – ist das denn nichts? Es ist eingeschlafen das Herz, lau, lebendig und doch abwesend. Abwesend, unberührbar und still.
Keine Angst, es wird schon wieder.
Und einer ist jetzt weg. Fehlt jetzt. Für immer. Das Beste so, höchste Zeit, Glück gehabt. Und im Gebet Kontakt, die Wahrheit verzerrt, doch mittendrin dann früh genug verschluckt. Erstickt. Die zwölf Tränen verschenkt, fühlten sich gut an, hoffte ich. In echt: fühlten sich nicht an.
Auch nicht.
Ich bin taub. Deine Stimme aus dreihundert Kilometern. Irgendwas mit Mitleid und dass du es gut meinst und so. Ja, ich weiß und doch kommt nichts, nein, der Weg zu weit.
Die Worte verlieren sich.
Und dieses Brett mit den Saiten, mein Freund? Es steht doch nur da und staubt. Haben den Kontakt verloren. Du liegst so falsch in meiner Hand. Keine Berührung mehr, kein Trost.
Und die Sonne lacht. Und Bäume und Häuser ziehen vorbei. Dort in der Stadt nur sinnlose Gesichter, schleppen ihre Körper durch die schlaglochübersäten Straßen. Jeder Schritt tut weh, jenen Wenigen, die noch empfindsam sind, jeder Schritt egal: mir und euch wie mir. Was meine Euphorie mich manchmal packt und schüttelt. Adrenalin, ein Hormon – macht mich zum Strandkind mit Triebfeder, hüpfe blind auf einem Bein. Wie ich euch nehme dann, an mich nehme, wie gut ich euch tue dann, helfe euch eure Zeit hinwegzulügen. Meine Witze sind gut, richtig gut dafür, lache schließlich selbst die meiste Zeit. Aber im Ende bleiben sie Wollknäuel für die jagende Katze.
Es ist so würdelos alles, so klein, so falsch und verlogen. Sogar die Sonne lacht jetzt nicht mehr. Und wer einen Swimming-Pool hat zieht halt dort seine Bahnen. Die Anderen schwimmen aufs Meer hinaus und schmecken die salzige Tiefe. (Vielleicht ertrinken sie sogar.)
Die meisten gehen ins Schwimmbad. Sie schwimmen dann an endlosen Kacheln vorbei, immer hin und her und hin und her. So ist es wohl: Die Kacheln bleiben gleich, nur bei jedem nächsten Mal, kaum wahrzunehmen, ein paar Algen mehr, ein bisschen Urin. Und man ist ein bisschen entkräfteter, ein bisschen müder dann. Und sie können das richtig gut: Die Augen zusammenkneifen wegen dem Chlor und nur denken an den nächsten Zug – und die Muskeln kommen von allein.
Gib ihnen doch mal einer einen Ball, dass es schneller geht!
Der Delfin macht das doch gern. Und wenn er nicht will, muss man ihn lassen. Das ist wirklich nur ein Spiel für ihn. Ich sehe es ihm an, wenn er mal nicht gut drauf ist. Und schau doch mal: Heute lacht er, das sieht man doch. Süß, ne?
So einfach den Sinn des Liftens erklärt. Das ist der ganze ästhetische Wert. Ist doch süß, ne?
Und dann fressen und saufen und schlafen. Wie die Kuh. Alles zum Selbstkostenpreis. Kein Grund Verhandlungen zu führen. Wer will damit schon seine kostbare Zeit vertun. Also ich nicht. Also ich bestimmt nicht.
Und fürs Ende noch ein: wird schon wieder und ein: nichts passiert.
Das verliert sich schon wieder.
Süß, oder?